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Nach der Ablösung von Sandro Schwarz steht mit Achim Beierlorzer ein anderer Cheftrainer auf der Kommando-Brücke beim Bundesligisten Mainz 05. Für Robin Zentner hat sich dadurch aber nichts verändert. Auch unter dem neuen Trainer ist und bleibt der 25-Jährige die Nummer 1 bei Mainz 05. Es bestand für Beierlorzer auch kein Grund, an dieser Position etwas zu ändern. Denn aktuell gehört Robin Zentner zu den besten Torhütern der Bundesliga, wenn man seine Leistungswerte zur Grundlage nimmt.

Über zu wenig Beschäftigung kann er nicht klagen. 85 Schüsse kamen auf sein Tor, 68,2 Prozent davon wehrte er ab. Er ist damit nach Bremens Jiri Pavlenka (97 Schüsse) und Düsseldorfs Zack Steffen (95 Schüsse) der am meisten beschäftigte Schlussmann in der Bundesliga. Allerdings hat Zentner drei Spieleinsätze weniger vorzuweisen als die beiden genannten Keeper.

Dass er den Ansprüchen an einen Erstliga-Torhüters genügt, hat Zentner längst bewiesen. Seine Leistungen bewegen sich seit Wochen auf einem herausragenden Niveau. Im Fachmagazin „kicker“ führte er sogar einige Zeit das Torhüter-Ranking an, aktuell liegt er auf Platz vier mit der Durchschnittsnote 2,79. Nur Rönnow (Frankfurt), Hradecky (Leverkusen) und Sommer (Gladbach) können noch bessere Werte aufweisen.

Abwanderungsgedanken sind verschwunden

Eigentlich war nicht er, sondern Florian Müller zu Saisonbeginn als Nummer eins im Tor der Mainzer vorgesehen. Zentner machte in den Wochen nach Saisonbeginn keinen Hehl daraus, dass er mit der Rolle als Nummer Zwei nicht glücklich war. Das brachte er in öffentlichen Äußerungen deutlich zum Ausdruck, ohne dabei den nötigen Respekt vor den Leistungen seines Kontrahenten Florian Müller und der Entscheidung des damaligen Cheftrainers Sandro Schwarz zu verlieren.

Aber als Nummer zwei blieb ihm nur die für Ersatztorhüter typische Rolle vorbehalten. Er musste auf ein Leistungstief oder einen verletzungsbedingten Ausfall seines Kontrahenten hoffen, um eine Chance auf Einsatzzeiten zu erhalten. Diese Chance bot sich Zentner, als Florian Müller, der mit durchwachsenen Leistungen in die Saison gestartet war, am 4. Spieltag wegen einer Handgelenkverletzung fehlte. Obwohl der 21-jährige U21-Nationaltorhüter schon nach einer Woche wieder genesen war, beließ ihn Cheftrainer Schwarz auf der Bank. Der drei Jahre ältere Zentner nutzte seine ihm gebotene Chance und überzeugte Cheftrainer Schwarz und Torwarttrainer Stefan Kuhnert so sehr, dass er vom Mainzer Trainerteam zur neuen Nummer 1 gekürt wurde. Seitdem hält Zentner im Mainzer Tor mit einer Konstanz und einem Selbstverständnis, als stünde er bereits seit Jahren in diesem Kasten.

Ein Duell auf Augenhöhe

Es ist nicht das erste Kopf-an-Kopf-Rennen, das sich die beiden Mainzer Torwart-Eigengewächse in den vergangenen Jahren lieferten. Zu Beginn der Saison 2018/19 wurde Müller zur Nummer 1 bestimmt, musste seinen Platz dann aber Mitte der Hinrunde wegen einer Verletzung räumen. Nach der Winterpause kehrte er ins Tor zurück, weshalb Zentner Ende April sogar aus Enttäuschung mit einem Wechsel liebäugelte. "Mein Ziel ist es, in Mainz zu spielen. Wenn das nicht möglich ist, muss ich mir vielleicht etwas anderes überlegen", äußerte er gegenüber dem Kicker. Mainz 05 schloss hingegen eine Freigabe jedoch kategorisch aus. Weil er einen Vertrag in Mainz bis 2021 unterschrieben hatte, musste er sich dem Willen der Mainzer Verantwortlichen beugen. Trotz Zentners Zähneknirschen entschied das Trainerteam im Sommer erneut, mit Müller als Nummer 1 in die neue Saison zu gehen. Der Rest ist bekannt. Das Schicksal seines Konkurrenten spülte den 1,95 m großen Hünen ins Mainzer Tor zurück.

Nummer eins in der Bundesliga über Umwege

Robin Zentner steht für eine sportliche Entwicklung, die in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit nicht selbstverständlich ist. Über sechs Jahre hinweg hat er - auch über Umwege - sein Ziel verfolgt, einmal zwischen den Pfosten eines Bundesliga-Tores zu stehen.

Wie fast alle Mainzer Torhüter wurde auch Robin Zentner in der vereinseigenen Torwartschule ausgebildet. Seit 2006 gehört er dem Verein an. Nach seinem Wechsel in den Erwachsenenbereich hatte er zunächst ab 2012 Einsätze für das Nachwuchsteam der Rheinhessen, das zum damaligen Zeitpunkt nach in der dritten Liga spielte. Zur Saison 2014/15 rückte er als dritter Torhüter in den Profikader der Mainzer auf. Im August 2015 wurde er für zunächst ein Jahr an den Drittligisten Holstein Kiel verliehen, nachdem sich Kiels Stammtorhüter Kronholm, in der Saison 2014/15 zum besten Torhüter der Dritten Liga gewählt, eine Verletzung in der Vorbereitung zugezogen hatte. Das Leihgeschäft wurde für die Saison 2016/17 verlängert. Zur Saison 2017/18 kehrte er zu Mainz 05 zurück.

Betrachtet man nur die nackten Zahlen, klingt es merkwürdig, Lobeshymen auf der 25-jährigen Mainzer Schlussmann anzustimmen. 38 Gegentore musste er mit Mainz 05 in dieser Saison bereits hinnehmen. Das ist der Höchstwert unter den Bundesliga-Teams. Doch Zentners Paraden bewahrten das Team in vielen Spielen vor deutlich höherem Schaden.

Es sieht so aus, als könne er dieses Mal nach der Winterpause als Nummer eins im Tor der Rheinhessen zurückkehren. Nach einem langen Anlauf mit vielen Rückschlägen und Zurückversetzungen ist Zentner im sechsten Profijahr in der Bundesliga angekommen. Die langjährige Rolle als Herausforderer scheint erst einmal vorbei zu sein. Manch ein fragt sich, wie man diesen hervorragenden Torwart eigentlich so lange auf die Bank setzen konnte. Andererseits darf er sich nicht zu sicher fühlen, denn mit Florian Müller, der bei den Mainzer Verantwortlichen als der talentierteste aus der Mainzer Torwartschmiede gilt, steht ein junger Torhütern bereit, der aus der Herausforderer-Rolle auf seine Chance wartet. Viele Schwächen darf sich Robin Zentner also nicht erlauben.

Blickpunkt

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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