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Was sich bereits seit einigen Tagen andeutete, ist nun in festen Tüchern. Roman Bürki wird für weitere zwei Jahre dem Kader von Borussia Dortmund angehören. Der 29-jährige Schweizer verlängerte vorzeitig seinen Vertrag bis zum 30. Juni 2023. Seit fast fünf Jahren steht Roman Bürki zwischen den Pfosten der Borussia. Der Schlussmann war 2015 nach dem unglücklichen Abstieg der Freiburger für 3,5 Mio. Euro von den Südbadenern nach Dortmund gekommen. Seither bestritt er 205 Spiele für den BVB, davon 154 Begegnungen in der Bundesliga.

Dass es zu einer weiteren Zusammenarbeit zwischen den Borussen und Bürki kommen könnte, zeichnete sich bereits seit längerem ab. Der BVB-Keeper machte keinen Hehl daraus, dass er sich in Dortmund wohl fühlt und seine Karriere liebend gern bei der Borussia fortsetzen würde: "Ich kann mir im Moment nichts anderes vorstellen“, sagte er nach seiner Gala-Vorstellung im Dezember des vergangenen Jahres im Champions-League-Spiel gegen Slavia Prag. Ende Mai waren jedoch Gerüchte aufgekommen, dass Roman Bürki den BVB im Sommer verlassen könnte. Der FC Chelsea soll ein Auge auf den 29-Jährigen geworfen haben. Bei den Londonern sollte Bürki den Spanier Kepa ersetzen. Diese Spekulationen haben nun ein Ende.

Bürki kennt auch die Schattenseiten seines Berufes

Inzwischen gilt der Schweizer als feste Größe an seinem Arbeitsplatz. Das war nicht immer so. In den fünf Jahren in Dortmund lernte er auch die Schattenseiten seines Berufes kennen. Vor allem in seinen ersten drei Spielzeiten gab es immer wieder Zweifel, ob seine Qualität für einen Verein ausreicht, der den Bayern das Wasser reichen und dauerhaft in der Champions League vertreten sein will. Denn neben Glanztaten unterliefen dem Schweizer Nationaltorhüter immer wieder krasse Fehler. Auf Häme musste er nicht lange warten. Unter den Fans der Dortmunder und auch in den Medien wurde er in Abwandlung seines Nachnamens mit "Gürki" tituliert. Die Zweifel an seinen Fähigkeiten wurden zusätzlich angeheizt von Gerüchten, die in dieser Zeit die Runde machten, dass der BVB Kevin Trapp oder Timo Horn als neuen Stammtorhüter verpflichten wolle. Bürki reagierte auf seine Zweifler meist gereizt und nicht immer mit genügend Selbstkritik. Seinen Kritikern sprach er jegliche Kompetenz ab, wodurch er sich in der Medienwelt und bei den Fans nicht unbedingt beliebt machte. Dass ihm der Verein in diesen schwierigen Phasen immer beistand und ihm Rückendeckung gab, hat er nicht vergessen: "Ich habe dem Klub viel zu verdanken, er stand auch in schwierigen Zeiten zu mir."

Spätestens seit der vergangenen Saison haben sich die Leistungen Bürkis deutlich stabilisiert. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Neben dem Cheftrainer-Wechsel zu Lucien Favre arbeitete Bürki verstärkt mit Matthias Kleinsteiber als Torwarttrainer, der allerdings auch schon zuvor zum Trainerstab gehörte. Deshalb wollte Michael Zorc Bürkis Entwicklung nicht nur auf diesen Umstand zurückführen: „Matthias macht einen Superjob, aber Romans Entwicklung darauf zurückzuführen, wäre zu kurz gesprungen.“ Vielmehr führte der Sportdirektor "das ein oder andere Problem" Bürkis in der vergangenen Saison eher auf den insgesamt schlechten Zustand der Mannschaft zurück. Eine weitere Veränderung könnte möglicherweise entscheidender gewesen sein, nämlich der Abschied aus der Schweizer Nationalmannschaft. Mit dieser Entscheidung war ein zusätzlicher Druck von ihm gefallen. Nun konnte er sich ausschließlich auf seine Arbeit in Dortmund konzentrieren. Zusätzliche holte er sich Hilfe bei einem Sportpsychologen. Durch nun konstant gute Leistungen steigerte Bürki sein Ansehen unter Fans, in den Medien und bei den Kollegen deutlich. Überzeugend stellte der 29-jährige Schweizer in den vergangenen beiden Spielzeiten unter Beweis, dass er zu einem soliden Rückhalt geworden ist und sich im internationalen Vergleich mit den Großen der Branche durchaus messen kann. Die Kritik an seinen Leistungen ist jedenfalls schon seit Längerem verstummt.

Die Schwächen und Stärken des Keepers

Niemand kann wohl die Stärken Bürkis besser einschätzen als Patrick Foletti, Torwarttrainer der Schweizer Nationalmannschaft und einer der profiliertesten Torwarttrainer in Europa. Foletti charakterisiert den Keeper so: ,,Er hat eine überdurchschnittliche Explosivität, kann mit starken Paraden auf der Linie sein Team im Spiel halten. Im Offensivspiel mit dem Fuß hat er eine unheimliche Präzision und Schärfe. Das sind nicht alle seine Top-Qualitäten, aber sicher seine stärksten Merkmale.“ In vielen Situationen zeigen er außerdem überragende Reflexe und eine exzellente Körperbeherrschung. So gelingt es ihm oft, ,,unhaltbare Bälle” noch zu entschärfen. Auch in 1:1-Situationen gehört er zweifelsohne zu den Besten seiner Zunft.

Zunehmend seltener treten in seinem Spiel aber auch ungewöhnliche Fehler auf. Trotz inzwischen überragender fußballerischer Fähigkeiten leitet Bürki z.B. immer wieder mit Fehlpässen gefährliche gegnerische Angriffe ein. Sicherlich gehören Fehler dieser Art zum Schicksal eines mitspielenden Torhüters. Denn ein Spielsystem, in dem der Torhüter in viele Mitspielaktionen eingebunden ist und bei dem versucht wird, jeden Ball in den eigenen Reihen zu halten, ist zwangsläufig risikoreicher und damit fehlerbehafteter als eine Spielweise, bei der der Torhüter den Ball mit einem langen Schlag nach vorne klärt. Nicht allein Bürki passieren solche Pannen, sondern er befindet sich in guter Gesellschaft. Auch Neuer, Sommer, Jarstein u.v.a. unterliefen in jüngster Zeit solche Patzer. Es bleibt aber der Eindruck, dass bei Bürki Fehler dieser Art irgendwie deutlicher wahrgenommen werden als bei einigen seiner Kollegen. Technisch hervorragend ausgebildet, offenbart er manchmal Schwächen, die nur durch ungenügende Wahrnehmung, fehlende Konzentration und falsche Entscheidungen zu erklären sind.

Eines bleibt jedoch festzuhalten. Trotz mancher Patzer bekam Bürki immer das Vertrauen der BVB-Verantwortlichen ausgesprochen, die sich nach jedem Patzer immer wieder vor ihn stellten. Und jeder seiner bisherigen vier Trainer in Dortmund (Tuchel, Bosz, Stöger, Favre) setzte – trotz unterschiedlicher Spielweisen - auf den Schweizer und nicht auf die jeweiligen Alternativen. Allein diese Tatsache zeigt seine außergewöhnliche Klasse. Inzwischen zahlt Bürki diesen Vertrauensvorschuss mit guten Leistungen zurück. In der Saison 2018 wurde er vom "Kicker" zum besten Keeper der Hinrunde gewählt. Auch am Ende der Saison und in der Winter-Rangliste 2019 gehörte er der Bewertungsgruppe „internationalen Klasse“ an. Borussia Dortmund tat also gut daran, auf eine externe Lösung zu verzichten und diesen Top-Torhüter für weitere zwei Jahre an den Klub zu binden.

Blickpunkt1. BundesligaRoman BürkiBorussia Dortmund

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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