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Am vergangenen Sonntag hat Sven Ulreich, der im Sommer vom FC Bayern München zum ambitionierten Zweitligisten Hamburger SV gewechselt war, das erlebt, was kein Torhüter erleiden will. Sein Fehler kurz vor Ende der Partie (90. Minute) besiegelte die 3:2-Niederlage der Hamburger in Heidenheim. Was war passiert? Der HSV-Keeper eröffnet das Spiel mit einem kurzen Pass auf seinen Mannschaftskameraden Toni Leistner, der sich außerhalb des Torraums befindet. Der Abwehrspieler spielt den Ball direkt zurück zu seinem Keeper. Diesen Moment nutzen die Heidenheimer Angreifer, um den HSV-Schlussmann in hohem Tempo anzulaufen. Ulreich will den Rückpass spielerisch weiterleiten, lässt ihn aber zu weit nach vorne abprallen und muss zusehen, wie sich Heidenheims Torjäger Christian Kühlwetter die Kugel schnappt und aus kurzer Zeit den Ball ins Tor schiebt.

Es gibt Torwartfehler, die keine weitere öffentliche Beachtung finden, weil sie nicht spielentscheidend waren, und es gibt Patzer, die ins Rampenlicht der Sportwelt rücken. Der Bock des 32-jährigen Schlussmanns lässt sich zweifellos dem zweiten Bereich zuordnen. Denn mit seinem Patzer leitete Ulreich nicht nur die vierte Hamburger Niederlage in Serie ein, sondern er kostete den Hamburgern auch die Tabellenführung der Zweiten Bundesliga. Also ein Blackout zur ungünstigsten Zeit! Zudem hatten die Hamburger Verantwortlichen mit der Verpflichtung des erfahrenen Ulreich (221 Bundesliga-Spiele) die Hoffnung verbunden, dem in Schlussphasen häufig taumelnden HSV mehr Stabilität zu geben. Nun scheint es eher so, als passe sich der Torwart dem Hamburger Klima an. HSV-Trainer Daniel Thioune nahm den 32-jährigen Schlussmann nach dem Spiel nicht wirklich in Schutz. Dieser "riesengroße Fehler", äußerte Thioune, "tut uns sehr weh". Man habe das Spiel "auch aus dem Grund verloren".

Es ist einer der Momente, in denen sich ein Torhüter am liebsten im Boden verkriechen würde. Ulreich stand nach dem Spiel mit tief gesenktem Kopf und unansprechbar da. Er musste das Schicksal eines Torhüters annehmen, dass sein Fehler – anders als bei seinen Mitspielern - meist zu einem Gegentor führt. Er musste die torwarttypische Rolle akzeptieren, einmal der Held und einmal der Depp zu sein.

Die Szene macht aber auch deutlich, wie wichtig in Mitspielaktionen der Erstkontakt bei Torhütern ist. Denn nur bei einem guten ersten Kontakt ist eine gelungene Spielfortsetzung möglich. Für Ulreichs Blackout kommen eigentlich nur zwei Erklärungen in Betracht. Möglicherweise hatte Ulreich nach Leistners Rückpass peripher wahrgenommen, dass ihn die Heidenheimer Angreifer unter Druck setzen wollen, und sich deshalb zu sehr auf die gegnerischen Spieler statt auf die Ballannahme konzentriert. Vielleicht hat er aber auch vor dem Pass zu seinem Mitspieler die mögliche Gefahr eines schnellen Heidenheimer Pressings zu wenig in seine Wahrnehmung und Überlegungen miteinbezogen und wurde deshalb vom gegnerischen Verhalten so überrascht, dass er in Hektik verfiel und deshalb der Ball nicht kontrolliert weiterleiten konnte. Die Lehre aus dieser Spielsituation:Es ist wichtig, im Training immer wieder die An- und Mitnahme des Balles intensiv zu schulen, vor allem unter Zeit- und Gegnerdruck.

Blickpunkt2. BundesligaSven UlreichHamburger SV

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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