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Seit dieser Saison ist Alexander Meyer die Nummer eins zwischen den Pfosten des Zweitligisten Jahn Regensburg. Beim Hamburger SV ausgebildet, verhinderten einige schwere Verletzungen, dass der Name des 28-jährigen Schlussmanns früher in den Aufstellungen vom Bundesliga-Klubs auftauchte. Auf Umwegen musste er sich fünf Jahre lang durch die Niederungen der Regionalliga (TSV Havelse, Energie Cottbus) wieder nach oben arbeiten, bevor er in einem DFB-Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart die Stuttgarter Verantwortlichen so sehr überzeugte, dass er zur Saison 2017/18 einen Zweijahresvertrag beim damaligen Erstligisten erhielt. Ein Kreuzbandriss und die Vormachtstellung von Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler verhinderten aber Pflichtspieleinsätze für die Schwaben. Nach dem Auslaufen seines Vertrags in Stuttgart wechselte Meyer zur Saison 2019/20 zum Zweitligisten SSV Jahn Regensburg, wo er seither in absoluter Konstanz überzeugende Leistungen abliefert und die unumstrittene Nummer eins im Team ist.

Goalguard sprach mit dem Jahn-Schlussmann über seine schwierige sportliche Entwicklung, seinen Umgang mit den schweren Verletzungen und seine Planungen für die Zukunft.

Artur Stoppper Alexander, in diesen Zeiten muss man ein Gespräch mit dem Thema Corona beginnen. Der Virus bremst im Moment den gesamten Spiel- und Trainingsbetrieb. Welche Möglichkeit habt ihr bei Jahn Regensburg gefunden, euch weiterhin fit zu halten?

Alexander Meyer Wir haben von unserem Trainerteam einen individuellen Lauf- und Kraftplan bekommen. Außerdem erhielt jeder Spieler eine Pulsuhr, mit deren Hilfe das Trainerteam unsere Aktivitäten auch jeden Tag nachverfolgen kann. Das ist momentan die einzige Möglichkeit, unter diesen Gegebenheiten zu trainieren. Das klappt insgesamt recht gut.

Artur Stoppper Der Start in die Saison verlief für Regensburg etwas holprig. Die Mannschaft hat sich im Verlauf der Saison aber stabilisiert, ist aktuell Zehnter mit sieben Punkten Vorsprung vor Platz 16, acht Zähler ist man vor Rang 17. Wie lautet dein Zwischenfazit zum aktuellen Zeitpunkt?

Alexander Meyer Wir sind bisher absolut im Soll. Dass wir am Anfang Probleme hatten, war für uns nicht überraschend, denn vor dieser Saison kamen viele neue Spieler zum Jahn, unter anderem auch ich. Für viele Zugänge war es Neuland, in der zweiten Liga zu spielen. Weil zudem einige Leistungsträger zu größeren Vereinen gewechselt waren, mussten wir uns erst einmal finden. Wir fanden aber relativ bald in die Spur und holten die nötigen Punkte. Natürlich war uns mit Beginn der Rückrunde klar, dass jederzeit eine Phase kommen könnte, in der wir nicht punkten, was dann auch zwischenzeitlich der Fall war. Bisher sind wir immer gut damit gefahren, ruhig und geduldig weiter zu arbeiten. Wir wissen, dass wir noch einige Punkte holen müssen, um den Klassenerhalt zu sichern.

Artur Stoppper Seit dieser Saison stehst du bei Jahn Regensburg unter Vertrag und hast dich als Nummer eins durchgesetzt. Ein sicherlich schönes Gefühl nach zwei Jahren beim VfB Stuttgart fast ohne Spielpraxis …

Alexander Meyer Auf jeden Fall. Das war auch mein Ziel beim Wechsel nach Regensburg. Ich wollte unbedingt wieder spielen. Dieses Ziel habe ich erreicht, auch wenn mir bewusst ist, dass nichts in Stein gemeißelt ist und dass man seine Leistung immer wieder von Neuem bestätigen muss. Obwohl ich in Stuttgart leider zu keinem Einsatz kam, konnte ich trotzdem aus der Zeit bei einem Bundesligisten vielen Erfahrungen mitnehmen. Im Augenblick bin ich aber glücklich darüber, dass ich nun in Regensburg die Nummer eins bin.

Artur Stoppper Bei deinem Wechsel zum VfB Stuttgart war bereits klar war, dass du die Nummer zwei hinter Ron-Robert Zieler sein würdest. Welche Hoffnungen oder Erwartungen hattest du trotzdem mit dem Wechsel zum VfB verbunden?

Alexander Meyer Man darf dabei nicht vergessen, wo ich herkam, nämlich vom Regionalligisten Energie Cottbus. Wenn man das Angebot bekommt, aus der Regionalliga in die Bundesliga zu wechseln, muss man dieses Angebot selbstverständlich annehmen. Das würde ich immer wieder so machen. Obwohl ich schon früher gerne in einer höheren Liga gelandet wäre, musste ich aufgrund von Verletzungen den ein oder anderen Umweg über die Regionalliga nehmen. Ich musste erfahren, wie schwierig es ist, aus dieser Liga wieder herauszukommen und den Sprung nach oben zu schaffen. Deshalb war ich überglücklich, als das Angebot vom VfB kam. Natürlich wusste ich, dass ich mit Ron-Robert Zieler einen namhaften Konkurrenten vor mir hatte, der als Nationalspieler und Weltmeister eine ganz andere Vita vorzuweisen hatte als ich. Aber im Fußball geht es manchmal ganz schnell. So hätte ich z.B. bei einer Verletzung von Zieler schnell auf der großen Bühne stehen können.

Artur Stoppper Jahn-Geschäftsführer Christian Keller hat dich so beschrieben: „Alex interpretiert das Torwartspiel offensiv und mutig, sei es beim Mitspielen, bei der Strafraumbeherrschung oder beim Coaching.“ Hat er dich richtig beschrieben?

Alexander Meyer Ich denke schon, vor allem die Strafraumbeherrschung sehe ich auch als eine meiner großen Stärken an. Dass ich sehr offensiv stehe, birgt natürlich ein gewisses Risiko in sich. Aber ich will aktiv am Spiel teilnehmen, will gewisse Situationen schon rechtzeitig antizipieren, der Mannschaft Sicherheit geben, immer anspielbar sein und im Aufbauspiel mit meinem Spiel mehr Optionen schaffen. So habe ich mein Torwartspiel über mehrere Jahre hinweg interpretiert, auch in Anlehnung an Manuel Neuer und Marc-Andre ter Stegen, die für mich Leitbilder sind. Diese Spielweise versuche ich immer weiter auszubauen.

Artur Stoppper Woran arbeitest du mit Torwarttrainer Kristian Barbuscak vor allem, um noch besser zu werden?

Alexander Meyer Barbu macht sich tagtäglich Gedanken, wie er jeden Einzelnen von uns individuell noch verbessern kann. Das Spektrum ist sehr breit, in dem wir arbeiten. Es reicht vom Verhalten im Eins-gegen-Eins über die Reaktionsschulung bis hin zum mentalen Training mit Yoga. Er versucht ständig, bei jedem das Optimum herauszuholen. Zudem haben wir eine hervorragende Kommunikation im Torwartteam. Jeder kann dazu beitragen und Tipps einbringen, wie wir uns noch verbessern und auf das kommende Spiel vorbereiten können.

Artur Stoppper Durch deine Karriere ziehen sich immer wieder schwere Verletzungen mit langen Ausfallzeiten: Kreuzbandriss, Innenbandriss, schwere Schulterverletzung. Denkst du manchmal darüber nach, wo du heute vielleicht stehen würdest, wenn du in all den Jahren verletzungsfrei geblieben wärst?

Alexander Meyer Natürlich kann man nur darüber spekulieren. Wahrscheinlich hätte ich beim HSV meinen ersten Profi-Vertrag bekommen, wenn ich mich nicht so schwer an der Schulter verletzt hätte. In dieser Zeit habe ich aber gelernt, dass es im Leben immer wieder Herausforderungen gibt, die man meistern muss, wie man aktuell auch durch die Corona-Krise erleben kann. Entscheidend ist, wie man darauf reagiert. Ich habe in der Reha wie ein Wahnsinniger trainiert, um möglichst schnell wieder auf den Platz zu stehen. Während verschiedene Mitspieler gleichzeitig schnell Profi wurden und viel Geld verdienten, musste ich in jungen Jahren einige Umwege gehen, um ans Ziel zu kommen. Daher weiß ich umso mehr zu schätzen, was ich jetzt erreicht habe. Außerdem habe mich dadurch auch in meiner Persönlichkeit weiterentwickelt. Im Nachhinein konnte ich viel Positives aus den Verletzungen ziehen.

Artur Stoppper „Ich komme noch stärker zurück“ – diesen Satz posten viele Sportler zu Beginn ihrer Reha-Phase. Ist das immer die wahre Empfindung, oder wie viele Spuren hinterlassen schwere Verletzungen?

Alexander Meyer Jeder Sportler nimmt eine Verletzung unterschiedlich wahr. Ich hatte das Glück, dass sich mein Körper immer schnell regeneriert hat. Trotz meiner vier schweren Verletzungen trug ich keine chronischen Schmerzen davon. Ich fühle mich heute sogar besser als vor den Verletzungen, wofür ich allerdings hart gearbeitet habe. Es gibt andere Sportler, bei denen sich aus einer Verletzung weitere Probleme entwickeln, obwohl sie ihre Reha-Phase gewissenhaft absolviert haben. Wenn ein Sportler verletzungsbedingt über eine längere Zeit ausfällt, muss er zwangsläufig viel mehr im Kopf, im mentalen Bereich arbeiten, weil er sich mit einer schwierigen Situation auseinandersetzen muss. Daher kommt ein Sportler in der Regel nach einer Verletzung oft stärker zurück.

Artur Stoppper Seit Jahren bewegen sich deine sportlichen Stationen immer weiter in den Süden. Hamburg, Havelse, Cottbus, Stuttgart und Regensburg hießen deine Stationen. Ist der südlichste Punkt bereits erreicht, geht diese Reise noch weiter oder führt dein Lebensweg irgendwann wieder zurück in den Norden?

Alexander Meyer Es gibt, glaube ich, nur noch eine große Station südlich von Regensburg (lacht). Die Reihenfolge der verschiedenen Stationen hat sich natürlich zufällig ergeben, sie war nicht bewusst so gewählt. Vor ein paar Jahren hätte ich allerdings noch nicht gedacht, dass ich einmal in Bayern leben würde. Aber egal, wo ich war, ich konnte mich immer schnell anpassen und habe mich bei allen Stationen wohl gefühlt. Zudem hatte ich nie Probleme, neue Leute kennen zu lernen. Aber natürlich fehlt mir der Norden, meine Heimat. Ich bin nun schon seit 2012 von zu Hause weg. Als Profi-Fußballer weiß man nie, wohin der weitere Weg führt, und ich habe noch einige Jahre vor mir. Allerdings kann ich mir grundsätzlich natürlich vorstellen, in den letzten Jahren meiner Karriere noch einmal in der Heimat zu spielen. Das wäre jedenfalls ein kleiner Traum von mir.

Artur Stoppper Du warst sieben Jahre lang Spieler beim HSV und wurdest in diesem Verein ausgebildet. Wäre es für dich ein Traum, noch einmal zum Hamburger SV zurückzukehren?

Alexander Meyer Na klar. Der HSV ist immer noch ein großer Verein. Unser bislang letztes Spiel mit dem Jahn war beim HSV. Für mich ist damit der große Traum in Erfüllung gegangen, dass ich einmal im Volksparkstadion spielen durfte. Wie von dir bereits angesprochen, war ich sieben Jahre lang beim HSV und schlief von klein auf in HSV-Bettwäsche. Zudem war ich Balljunge und oft als Besucher im Stadion. Für mich war es immer das Non plus ultra, irgendwann einmal in diesem Stadion zu spielen. Dass mir das nun mit Jahn Regensburg gelungen ist, macht mich stolz und dankbar. Obwohl ich mich in Regensburg sehr wohlfühle, kann ich mir natürlich auch sehr gut vorstellen irgendwann noch einmal für den HSV zu spielen.

Artur Stoppper Alexander, ich wünsche dir, dass deine Träume irgendwann in Erfüllung gehen, und drücke dir die Daumen für deine weitere sportliche Zukunft. Danke dafür, dass du dir für uns Zeit genommen hast.

Interview2. BundesligaSSV Jahn RegensburgAlexander Meyer

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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