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Elfmeterkiller und Pokalheld waren die meist genannten Begriffe für Saarbrückens Torhüter Daniel Batz nach den fünf gehaltenen Elfmetern im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den Bundesligisten Fortuna Düsseldorf. Durch die überragende Leistung ihres Schlussmannes gewann der Viertligist 1. FC Saarbrücken im Elfmeterschießen das Spiel mit 7:6 und warf die Rheinländer aus dem Pokal. Die Saarländer sind damit der erste Viertligist, der sich den Einzug in ein DFB-Pokal-Halbfinale sichern konnte. Außerdem sorgte Batz noch für ein weiteres Novum: Er war der erst Keeper, der in einem Pokalspiel fünf Elfer entschärfte. Entsprechend gefeiert wurde der 29-jährige Keeper, der der Jugend des 1. FC Nürnberg entstammt und von 2011 bis 2015 bereits als Ersatztorhüter Bundesligaluft beim SC Freiburg schnuppern konnte. "Elfmeterkiller" Daniel Batz wurde vor Freude unter einer Jubeltraube begraben, die Fans sangen euphorisch "Wir fahren nach Berlin": Die Sensations-Kicker aus Saarbrücken hatten ihrem Pokal-Märchen ein weiteres Kapitel hinzugefügt.

Nun steht das Halbfinalspiel gegen Bayer 04 Leverkusen an. Goalguard befragte den Schlussmann des 1. FC Saarbrücken nach den Chancen gegen die Werkself, nach den Corona-bedingten Schwierigkeiten bei der Vorbereitung auf das Spiel sowie natürlich nach den Geheimnissen seiner überragenden Leistung im Elfmeterschießen.

Artur Stopper Daniel, wie oft kam dir in den vergangenen Wochen nachts im Traum oder in Tagträumen der Satz „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ in den Sinn?

Daniel Batz (lacht) Gar nicht oft. Nach unserem Erfolg gegen Düsseldorf ging relativ bald die Corona-Pause los. Das Thema DFB-Pokal war schnell weit weg, weil keiner wusste, wie und ob es überhaupt weitergeht und weil andere Dinge als der Fußball im Fokus gestanden sind. Aber seit in den letzten beiden Wochen zumindest der Profi-Fußball wieder losgegangen ist, freuen wir uns natürlich schon aufs Halbfinale und denken ab und zu auch mal an Berlin.

Artur Stopper Als Regionalligist habt ihr das Halbfinale im DFB-Pokal erreicht. Wie viel Glück und wie viel Qualität haben euch dorthin gebracht?

Daniel Batz Ich denke, dass es eine Mischung aus beidem ist. Ohne Qualität kommt man nicht ins Halbfinale, aber genauso wenig erreicht man als Regionalligist ohne Glück diesen Erfolg. Sicherlich spielt der Glücksfaktor eine etwas größere Rolle, wenn man sieht, wie wir teilweise weitergekommen sind. Vielleicht hatten wir dieses Mal das Glück, das uns in den letzten Jahren gefehlt hat.

Artur Stopper Die letzten Wochen waren für euch schwierig. Seit dem 7. März ruht der Spielbetrieb in der Regionalliga und damit auch beim 1. FC Saarbrücken. Wie habt ihr euch in den vergangenen Wochen ohne Mannschaftstraining auf dieses außergewöhnliche Ereignis vorbereitet?

Daniel Batz Das war natürlich alles sehr schwierig. Gerade am Anfang, als alles heruntergefahren wurde, wusste ja keiner, ob es noch einmal losgeht. Wir als Spieler mussten die Spannung erhalten und bekamen immer Trainingspläne, die wir zu Hause absolvieren mussten. Je länger die Saison geht, umso schwieriger fällt es uns, die Spannung hoch zu halten. Jeder versucht individuell das Beste im Rahmen seiner Möglichkeiten, aber dass wir auf das Teamtraining verzichten mussten, ist für uns ein klarer Nachteil.

Artur Stopper Euer Halbfinal-Gegner Bayer Leverkusen hat durch der Re-Start der Bundesliga schon einige Spiele absolviert, ist also wieder im Rhythmus und hat die Situation in leeren Stadien bereits kennen gelernt. Wie sehr schaffen diese ungleichen Voraussetzungen Leverkusen einen Vorteil?

Daniel Batz Das ist für Bayer Leverkusen ein immenser Vorteil. Für die meisten von uns ist es schon lange her, dass wir vor leeren Rängen gespielt haben. Leverkusen kennt diese Situation und besitzt auch schon wieder die nötige Wettkampfhärte. Das sind alles Voraussetzungen, die uns fehlen. Wir werden trotzdem versuchen, so gut als möglich dagegen zu halten. Dann werden wir sehen, was dabei herauskommt.

Artur Stopper In den bisherigen Duellen gegen Düsseldorf, Karlsruhe, Köln und Regensburg peitschte euch stets das eigene Publikum nach vorne. Aufgrund des Geisterspiels fehlt euch diese Unterstützung. Wie sehr schwächt euch das Fehlen des Publikums zusätzlich?

Daniel Batz Natürlich enorm. Jeder, der schon gegen höherklassige Gegner gespielt hat, weiß, wie sehr einen die Unterstützung des eigenen Publikums dazu animieren kann, noch die letzten Prozente aus sich herauszuholen. Diese Unterstützung, bei jedem abgewehrten Ball und jeder gelungenen Aktion frenetisch angefeuert zu werden, fehlt uns gerade in diesem so wichtigen Spiel. Deshalb stehen wir als Mannschaft in der Pflicht, uns gegenseitig zu pushen und uns zu emotionalisieren.

Artur Stopper Mit fünf gehaltenen Elfmetern in einem Spiel hast du im jetzt schon legendären Pokal-Viertelfinale gegen Fortuna Düsseldorf einen Rekord aufgestellt. Wie sehr muss sich Saarbrücken wieder auf einen überragenden Daniel Batz verlassen, um ins Finale einzuziehen, oder anders ausgedrückt: Liegt eure eigentliche Chance gegen Bayer 04 möglicherweise wieder im Elfmeterschießen?

Daniel Batz Ich hoffe nicht, dass ich wieder so viel zu tun bekomme wie im Spiel gegen Düsseldorf, denn dann wäre die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass wir weiterkommen, weil Leverkusen eine noch höhere Abschlussqualität hat als Düsseldorf. Wir brauchen einen außergewöhnlichen Tag, um eine Chance zu haben. Falls wir wieder ins Elfmeterschießen kommen sollten, haben wir davor ganz viel richtig gemacht. Im Elfmeterschießen könnte dann natürlich wieder alles passieren, da im Elfmeterschießen der Klassenunterschied nicht mehr so entscheidend ist.

Artur Stopper Dem bisher erfolgreichsten Elfmeter-Killer im DFB-Pokal muss ich natürlich die Frage stellen: Sind die fünf abgewehrten Elfmeter das Ergebnis einer genauen Analyse der gegnerischen Schützen vorab oder verlässt du dich in dieser Situation lieber auf deine Wahrnehmung und Intuition?

Daniel Batz Natürlich haben wir Informationen über die Schützen gesammelt. Aber nach 120 Minuten ist es eine ganz andere Situation, da viele mögliche Schützen gar nicht mehr auf dem Feld sind, weil sie zuvor ausgewechselt worden sind. Hinzu kommt, dass die Situation beim Elfmeterschießen hochgradig emotional ist, so dass man die Informationen auf dem Zettel oft gar nicht mehr direkt vor Augen hat. Deshalb sind Intuition und das Beobachten des Schützen in dieser Situation entscheidender. Man kann z.B. genau beobachten, wie der Schütze anläuft. Mit hat zudem die Vorstellung geholfen, dass wie beim Tennis der nächste Ball der entscheidende sein wird. Ich konzentrierte mich also nur darauf, den nächsten Ball zu halten.

Artur Stopper "Fünf Elfmeter - das ist mehr, als ich vorher in meiner ganzen Karriere zusammen gehalten habe", sagtest du nach dem Spiel. Das klingt nicht nach „Elfmetertöter“. Hast du im Nachhinein für dich eine Erklärung gefunden, wie so eine unglaubliche Leistung zustande gekommen ist? Glück allein reicht sicherlich nicht als Begründung aus…

Daniel Batz Ich hatte im November im Punktspiel gegen Steinbach bereits einen Elfmeter gehalten und mit meinem Torwarttrainer darüber nachgedacht, was man in der Elfmetersituation noch besser machen kann. Wir waren uns einig, dass man diese Situation im Training nicht simulieren kann, weil die Drucksituation im Spiel eine ganz andere ist. Allein dieser Gang von der Mittellinie bis zum Punkt ist ganz speziell. Mittlerweise sind für einen Torhüter auch die Möglichkeiten geringer, auf den Schützen einzuwirken, weil man heutzutage schnell Gelb dafür bekommt. Ich hatte versucht, die Schützen noch einmal aus seiner Routine zu bringen, ihn noch einmal abzulenken oder etwas beim Schiedsrichter zu erfragen, also einfach den Schützen psychologisch zu beeinflussen. Erst im Nachhinein fiel mir etwas auf, was mir in der Situation selbst nicht bewusst war. Bei allen Elfmetern zuvor hatte ich den Ball nach der Aktion noch einmal in die Hände genommen und erst dann zum nächsten Schützen gerollt. Vor dem letzten Elfmeter des Düsseldorfers Zanka ließ ich den Ball aber unbeabsichtigt vor der Torlinie liegen, so dass ihn der Schütze selbst abholen musste. Zanka musste sich also zunächst auf mich zu und dann mit dem Rücken von mir weg bewegen, was keine angenehme Situation für ihn war. Möglicherweise brachte ihn dieser veränderte Ablauf zum Nachdenken und verunsicherte ihn so, dass sein Fehlschuss die Folge war.

Artur Stopper "Kopf schlägt Körper“ sollst du deinen Mitspielern im Spiel gegen Düsseldorf zugerufen haben. Wie müssen eure Köpfe ausgerichtet sein, um auch Bayer Leverkusen ein Bein stellen zu können?

Daniel Batz Zunächst brauchen wir eine hohe Frustrationstoleranz, weil wir wahrscheinlich in diesem Spiel nicht oft den Ball haben werden. Als Mannschaft werden wir permanent Wege gehen müssen, die weh tun und uns physisch fordern. Diese Gefühl müssen wir ausblenden und uns immer wieder klar machen, wofür wir die Wege gehen. Nun so werden wir bestehen können. Außerdem müssen wir darauf hoffen, dass Leverkusen keinen so guten Tag hat.

Artur Stopper Euer wichtigstes Saisonziel, nämlich den Aufstieg in die dritte Liga, habt ihr durch den Saisonabbruch in der Regionalliga Südwest bereits erreicht. Könnt ihr also deshalb befreit und ohne Druck aufspielen?

Daniel Batz Das konnten wir bereits zuvor. Wir haben den Pokal-Wettbewerb immer nur als zusätzliches Bonbon empfunden, der Fokus lag auf der Liga. Deshalb hätten wir immer im Pokal befreit aufspielen können. Natürlich sind wir froh, dass wir unser vorrangiges Saisonziel erreicht haben. Andererseits sind wir ein bisschen enttäuscht, dass wir die Meisterschaft nicht bis zuletzt auf dem Platz entscheiden und den Erfolg nicht angemessen mit unseren Fans feiern konnten. Aber im Halbfinale als Viertligist gegen einen Bundesligisten verspüren wir überhaupt keinen Druck.

Artur Stopper Seit deiner unglaublichen Pokal-Leistung hängt dein Torwarttrikot im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Ein Mannschaftsfoto des 1. FC Saarbrücken mit dem Text „Der erste Viertligist im DFB-Finale“ würde sicherlich gut dazu passen. Wie groß schätzt du eure Chance fürs Finale in Berlin ein?

Daniel Batz Wir müssen realistisch sein. Die Ausgangssituation kann man am besten in einem Bild beschreiben. Der Ball liegt fünf Meter vor dem Tor. Das Tor ist eigentlich schon leer und Leverkusen muss den Ball nur noch ins Tor schießen. Aber es kann natürlich auch sein, dass man aus fünf Meter übers leere Tor schießt. So groß ist ungefähr unsere Chance. Dann müssen wir einfach da sein.

Artur Stopper Daniel, ich wünsche euch, dass ihr die schier aussichtslose Situation gut bewältigt, und bedanke mich dafür, dass du dir Zeit für uns genommen hast.

Interview1. FC SaarbrückenDaniel BatzRegionalliga

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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