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Mit sieben Punkten Vorsprung und nur 12 Gegentoren führt der 1. FC Saarbrücken momentan die Tabelle der Regionalliga Südwest an. Mitverantwortlich für diese hervorragende Bilanz ist Daniel Batz, seit der Saison 2017/18 Stammtorhüter bei den Saarländern. Der 28-jährige Schlussmann, der beim 1.FC Nürnberg ausgebildet wurde, mehrere Jahre lang die Nummer zwei beim Bundesligisten SC Freiburg war und anschließend über die Stationen Chemnitzer FC und SV Elversberg bei den Landeshauptstädtern landete, ist die Zuverlässigkeit in Person. Deshalb wurde sein Vertrag von den Saarbrücker Verantwortlichen bereits vorzeitig bis 2021 verlängert.

Vor dem DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Köln befragten wir den FCS-Torhüter zu den Chancen seines Klubs gegen den Bundesligisten, zu seiner eigenen sportlichen Vergangenheit, zu der Sehnsucht der Region nach alten sportlichen Zeiten sowie zu seiner Berufsplanung für die Zeit nach seiner Sportlerkarriere.

Artur Stopper Daniel, dein Verein 1. FC Saarbrücken spielt ihr momentan in der Regionalliga Südwest eine gute Saison. Mit nur einem Unentschieden und einer Niederlage nach 14 Spielen habt ihr eure Tabellenführung auf sieben Zähler ausgebaut. Die BILD fragte bereits „Wer soll diesen FCS noch stoppen?“

Daniel Batz Diese Aussage ist deutlich zu früh getroffen. Die Saison ist noch lang, wir haben noch nicht einmal die Hälfte der Spiele hinter uns. Am Jahresende kann man vielleicht erstmals ein Fazit ziehen. Deshalb sollte man die Kirche im Dorf lassen. Sicherlich spielen wir bisher eine gute Runde und natürlich ist es schön, wenn man Tabellenführer ist. Aber wir haben in der Hinrunde noch vier schwere Spiele gegen drei Mannschaften aus den Top-sechs der Liga, die es zuerst zu gewinnen gilt. Danach können wir vielleicht über weitere Ziele sprechen. Wir tun jedenfalls gut daran, Woche für Woche die Qualität auf den Platz zu kriegen, die in uns steckt.

Artur Stopper Manche Experten glauben, dass die Ausgangslage für den Aufstieg des FCS noch nie so gut war, weil die Mannschaft noch nie so stark gewesen sei wie in dieser Spielzeit. Teilst du diese Einschätzung?

Daniel Batz Ich finde es immer schwierig, eine Mannschaft im Vergleich zu anderen Jahren zu beurteilen. Ich denke wir haben unsere Mannschaft gegenüber dem Vorjahr noch einmal punktuell verstärkt. Aber unsere Meisterelf von vor zwei Jahren, die dann unglücklich in den Aufstiegsspielen verloren hat, war auch eine hervorragende Mannschaft. Man muss nur schauen, wo die Spieler heute überall untere Vertrag stehen, die hier spielten. Deshalb ist es schwierig, die Mannschaften zu vergleichen. Wie in den Jahren zuvor haben wir auch in dieser Saison wieder eine gute Mannschaft. Letzte Saison war Waldhof Mannheim einfach stärker und wurde verdient Meister, weil wir es nicht geschafft hatten, unser Leistungspotenzial immer abzurufen. Tabellarisch kann man aber festhalten, dass wir besser sind als in der vergangenen Saison.

Artur Stopper Der 1. FC Saarbrücken, einst Gründungsmitglied der Bundesliga, erlebte viele Jahre lang schwierige Zeiten. Wie groß ist die Sehnsucht in der Region Saarbrücken, wieder alte erfolgreiche Zeiten aufleben zu sehen?

Daniel Batz Die Sehnsucht ist riesig, die Region lechzt nach Profifußball zumindest in der Dritten Liga. Ich denke langfristig ist es das Ziel des 1. FC Saarbrücken, auch mal wieder an der Tür der Zweiten Bundesliga anzuklopfen. Aber so weit sollte man vorerst nicht denken. Der Schritt aus der Regionalliga in den Profifußball ist schwer genug. Aber der 1.FC Saarbrücken ist das Aushängeschild im Saarland und deshalb wollen die Fans diesen Verein zumindest in der Dritten Liga sehen. Die Sehnsucht nach alten Glanzzeiten spürt man hier schon.

Artur Stopper Nicht nur in der Meisterschaft, sondern auch im DFB-Pokal seid ihr nach dem 3:2-Sieg Anfang August über den Zweitligisten Jahn Regensburg auf einem guten Weg. Unter den 32 verbliebenen Mannschaften seid ihr zusammen mit dem SC Verl der einzige Viertligist im Kreis höherklassiger Vereine. Was sind im Moment die entscheidenden Faktoren für euren Erfolg?

Daniel Batz Ich denke, dass wir im Moment eine große mannschaftliche Geschlossenheit an den Tag legen, dass wir alle auf dem Platz gemeinsam angreifen und gemeinsam verteidigen. In der gegenseitigen Unterstützung sehe ich einen Schlüssel für unseren Erfolg. Auch die Energie, die von der Seitenlinie kommt, trägt dazu bei. Ich denke diese mannschaftliche Geschlossenheit ist aktuell unser großes Faustpfand.

Artur Stopper Nun erwartet ihr am kommenden Dienstag im DFB-Pokal den Bundesligisten 1. FC Köln. Das Spiel in Völklingen ist mit knapp 6800 Zuschauern bereits restlos ausverkauft. Welche Chancen räumst du euch gegen den Bundesligisten ein?

Daniel Batz Zuallererst muss man natürlich feststellen, dass wir in diesem Spiel klarer Außenseiter sind. Das ergibt sich schon aus der Konstellation, dass Köln in der Bundesliga und wir in der vierten Liga spielen. Aber wir haben es selbst vor wenigen Wochen im Saarlandpokal erlebt, wie unangenehm es aus der Sicht von höherklassigen Mannschaften sein kann, gegen unterklassige Gegner zu spielen, die alles reinwerfen. Im Gegensatz zu den Kölnern kennt von uns jeder die Abläufe im Stadion in Völklingen, in dem eine andere Atmosphäre herrscht als in den meisten anderen Stadien. Ich sehe uns auf gar keinen Fall als chancenlos, so viel Selbstvertrauen sollten wir schon haben. Natürlich brauchen wir für einen Erfolg das nötige Spielglück.

Artur Stopper Du selbst hast bereits einige Jahre in deiner Zeit beim SC Freiburg (2011 – 2015) Bundesliga-Luft geschnuppert und ein Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund absolviert. Warum ist es nur bei einem Spiel geblieben?

Daniel Batz Das Spiel war damals eine Belohnung vom Trainerteam um Christian Streich für meine Entwicklung in meiner ersten Saison. Aus heutiger Sicht kann ich für mich sagen, dass es damals mit 21 Jahren für mich viel zu früh war, in der Bundesliga zu spielen. Man muss allerdings auch sehen, dass damals mit Oliver Baumann, Alexander Schwolow und Roman Bürki Torhüter beim SC um mich waren, die deutlich besser waren als ich. Man muss nur sehen, wo die heute alle spielen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass ich nur ein Bundesligaspiel absolviert habe bei all den tollen Torhütern, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Aber nicht ganz so viele Torhüter können von sich behaupten, einmal in der Bundesliga gespielt zu haben. Insofern bin ich stolz darauf. (schmunzelt) Aber ich bin erst 28 Jahre alt, wer weiß, was im Leben noch alles möglich ist …

Artur Stopper Welche Erwartungen hattest du mit dem Wechsel vom 1.FC Nürnberg zum SC Freiburg verbunden?

Daniel Batz Meine Erwartungen waren, mich persönlich weiterzuentwickeln, indem ich weit wegziehe von zu Hause., und einfach alles aufzusaugen, was möglich war. Es war nach Nürnberg meine zweite Profistation, Allerdings war ich in Nürnberg aus dem Jugend- in den Männerbereich aufgestiegen. Freiburg verpflichtete mich damals als Nummer Zwei, was eine Bestätigung meiner Leistungen war. Ich bin an die Aufgabe in Freiburg mit dem Ziel herangegangen, möglichst viel zu lernen und den Profibereich richtig kennen zu lernen. Meine Zeit in Freiburg war wunderschön. Ich habe auch neben dem Fußball viele Dinge gelernt, die zum Leben gehören.

Artur Stopper Wie viel hängt in einer Karriere vom Talent, wie viel von Fleiß, Disziplin, Glück ab?

Daniel Batz Eine gute Frage … Ohne ein gewisses Talent ist es sicherlich nicht möglich, ganz nach oben zu kommen. Andererseits hängt nach meiner Meinung ganz viel davon ab, wie man an sich arbeitet und an Aufwand investiert. Unbestritten gehört auch das nötige Glück dazu. Ich kenne viele Spieler, die unglaubliche Qualitäten haben und höher spielen könnten, aber zur falschen Zeit die falsche Verletzung hatten. Dann ist man in unserer schnelllebigen Zeit im Fußball schnell raus. Insofern ist die Gesundheit schon ein wesentlicher Faktor, ob man dauerhaft in der ersten oder zweiten Liga spielt. Außerdem gehört viel Glück dazu, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und im entscheidenden Moment eine gute Leistung bringen zu können. Aber natürlich gehören auch enorm viel Arbeit, Hingabe und besonders in jungen Jahren viel Verzicht und Opfer dazu, was viele Leute gar nicht sehen.

Artur Stopper Nach vier Jahren in Freiburg bist du für ein Jahr in die Dritte Liga zum Chemnitzer FC und anschließend wiederum für ein Jahr zum Regionalligisten SV Elversberg gewechselt. Warum waren die Stationen Chemnitz und Elversberg so kurz?

Daniel Batz Nach vier Jahren in Freiburg wollte ich endlich mal dauerhaft spielen. Freiburg wollte mich eigentlich behalten, aber ich entschied mich für das Angebot aus Chemnitz, weil ich von dem Projekt damals überzeugt war und mir die Verantwortlichen ein gutes Gefühl gegeben haben, dass ich in der Dritten Liga spielen werde, was für mich eine Plattform gewesen wäre. Leider ist es dann ganz anders gekommen. Viele Absprachen wurden nicht eingehalten. Deshalb wollte ich schnellstmöglich wieder weg, es hatte einfach nicht gepasst. Deshalb war ich froh, dass mir Elversberg die Chance gegeben hat, wieder zu spielen. Ich war 1 ½ Jahre in Elversberg, in denen wir zweimal die Relegation nicht geschafft haben. Dann kam das Angebot aus Saarbrücken. Für mich war die Strahlkraft dieses Vereines größer und bot mir nach meiner Empfindung eine größere Plattform als Elversberg. Das war für mich einer der ausschlaggebenden Gründe, nach Saarbrücken zu geben.

Artur Stopper In Saarbrücken scheinst du nun deine sportliche Heimat gefunden zu haben. Du hast deinen Vertrag vorzeitig bis 2021 verlängert. Was schätzt du an Saarbrücken?

Daniel Batz Das Umfeld, die Begeisterung der Fans und die Anerkennung ist einfach toll in Saarbrücken, Ich fühle mich wohl, wir haben super Bedingungen und der Verein hat ambitionierte Ziele. Ich fühle mich wohl in der Region und komme gut mit den Leuten zurecht, auch die Stadt ist toll. Mit dem neuen Stadion, das gerade im Bau ist, wird der Verein zudem noch einen weiteren Schub erfahren. Deshalb freue ich mich, dass mir der Verein schon frühzeitig sein Vertrauen ausgesprochen und meinen Vertrag bis 2021 verlängert hat. Von mir aus kann es in Saarbrücken noch einige Jahre weitergehen. Ich hätte nichts dagegen.

Artur Stopper Du bist jetzt 28 Jahre alt. Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VdV, sagte einmal, dass „drei von vier Profis am Ende der Karriere keine abrufbaren beruflichen Qualifikationen haben." Wie bereitest du dich parallel zur sportlichen Laufbahn auf ein Leben nach dem Fußball vor?

Daniel Batz Ich hatte schon mit 18 Jahren eine Berufsausbildung zum Industriekaufmann abgeschlossen. Insofern habe ich schon einmal eine gewisse berufliche Qualifikation. Andererseits studiere ich in einem Fernstudium der IEC-Hochschule für Management in Düsseldorf und mache den Bachelor of Arts Sportbusiness-Management, wo mein Abschluss für September 2020 angedacht ist. Ich möchte mich aber anschließend noch mehr weiterbilden. Nach meiner sportlichen Karriere habe ich nämlich vor, mich in die Selbständigkeit zu begeben in den Bereich Prävention sowie in die Physis- und Athletikrichtung, weil mich der menschliche Körper interessiert und ich durch meinen Beruf von verschiedenen Personen schon viel gelernt habe. Das möchte ich zusammen mit meiner fundierten Managementausbildung auf betriebswirtschaftlicher Basis nach der Karriere aufbauen.

Artur Stopper Wird der 1. FC Saarbrücken am Ende der Saison den Aufstieg in die Dritte Liga schaffen?

Daniel Batz Ich bin davon überzeugt und hoffe, dass wir es im fünften Anlauf endlich schaffen. Beharrlichkeit wird irgendwann belohnt. Trotzdem bin ich mir bewusst, dass noch ein hartes Stück Arbeit vor uns liegt, wir haben erst den 14. Spieltag hinter uns. Da fließt noch viel Wasser die Saar hinab. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass wir am Saisonende oben stehen werden.

Artur Stopper Daniel, wir bedanken uns rechtlich herzlich bei dir, dass du dir Zeit für uns genommen hast, und wünsche dir viel Glück für deine sportliche und private Zukunft.

Interview

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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