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Seit der Saison 2014/15 arbeitet Kristian Barbuscak als Torwarttrainer beim Zweitligisten Jahn Regensburg. Der gebürtige Slowake spielte in seiner aktiven Zeit in einigen Vereinen und Ländern (Slovan Bratislava, FC Bayern München, Lazio Rom, Austria Wien, Grasshopper Zürich, New York Metro Stars) und lernte dadurch unterschiedliche Trainingskonzepte kennen. Als er wegen mehrerer schwerer Knieverletzungen seine Karriere mit gerade mal 23 Jahren beenden musste, schlug er den Weg als Torwarttrainer ein. Neben Trainer-Stationen in seiner slowakischen Heimat (FK Viktoria Žižkov, FC Zbrojovka Brünn) arbeitete er drei Jahre lang in Dubai für den al-Wasl Club und bereitete 2011 die Torhüter der Nationalmannschaft von Kasachstan für die EM und WM vor. Inzwischen hat der 42-Jährige seine sportliche Heimat in Regensburg gefunden. Goalguard unterhielt sich mit Kristian über seine sportlichen Erfahrungen in den verschiedenen Vereinen und Ländern, über die aktuelle Situation von Jahn Regensburg und seine sportliche Zukunft.

Artur Stopper Kristian, in der vergangenen Saison gehörte Jahn Regensburg in der 2. Bundesliga zu den positiven Überraschungen. Im Moment belegt ihr mit 11 Punkten Platz 10. Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Verlauf der Saison?

Kristian Barbuscak Zunächst einmal danke für deine positive Bewertung. Tatsächlich waren die meisten Experten und Fans überrascht, welch positive Entwicklung Jahn Regensburg in den beiden vergangenen Jahren genommen hat. Ich bin auch, was diese Saison anbelangt, sehr optimistisch, denn uns war bewusst, dass wir in dieser Spielzeit eine noch schwerere Aufgabe vor der Brust haben als zuletzt. Man muss bedenken, dass wir einen großen personellen Wechsel vollzogen haben - mit 13 Zugängen und ebenso vielen Abgängen. Aber die Neuverpflichtungen haben sich unglaublich schnell der Mannschaft angepasst und unsere Spielphilosophie verinnerlicht. Deswegen bin ich bisher sehr zuversichtlich für diese Saison.

Artur Stopper Nach dem Abgang des langjährigen Jahn-Stammtorhüters Philipp Pentke in Richtung TSG Hoffenheim habt ihr Alexander Meyer vom VfB Stuttgart als Ersatz verpflichtet. Welche Gründe waren für seine Verpflichtung ausschlaggebend?

Kristian Barbuscak Wir hatten mit Philipp Pentke über vier Jahre eine große Konstanz und Präsenz im Tor und vor allem im Strafraum. Philipp, der eine große Erfahrung aus der dritten und vierten Liga mitbrachte, zeigte sich von Anfang an als Führungsspieler. Die Mitspieler vertrauten ihm blind. In einem Bild ausgedrückt: Er war wie ein Vater im Strafraum, der auf alle seine Kinder aufgepasst und geschaut hat, dass hinten alles passt, sowohl gegen als auch mit dem Ball. Die Präsenz des Torhüters ist in unserer Spielauffassung elementar wichtig. Deshalb suchten wir nach einem Torwart, der diese Bedingung abdeckt. Nach der Analyse vieler Torhüter kamen wir auf Alexander Meyer. Er beherrschte bereits wichtige Aspekte des Torwartspiels wie Coaching, Raumbeherrschung bei hohen Flanken, das Fußballerische mit dem Passspiel und die Technik. Deshalb waren wir uns sicher, dass wir ihn gut in das mannschaftstaktische Konzept beim Jahn integrieren können. Obwohl er nicht als klare Nummer Eins verpflichtet worden war, setzte er sich in der Saisonvorbereitung durch gute Leistungen in einem fairen Dreikampf gegen Andre Weis und Alexander Weidinger durch.

Artur Stopper Mit Alexander Meyer (1,95 m) und Alexander Weidinger (1,97 m) habt ihr zwei sehr große Torhüter im Kader. Ist die Größe bei Torhütern ein wichtiges Auswahlkriterium für dich bei der Verpflichtung von Torhütern?

Kristian Barbuscak Nicht unbedingt. Wie ich bereits angesprochen habe, sind eine gute Strafraumbeherrschung und Präsenz für uns elementar. Es gibt unglaublich gute Torhüter, die nur knapp über 1,80 m groß sind, wie z.B. in unserer Liga Stefan Ortega (Bielefeld) oder Martin Männel (Aue). Ein Torhüter kann Präsenz durch seine Körpersprache, aber natürlich auch über seine Körpergröße ausstrahlen. Sie ist sicherlich nicht entscheidend, aber wenn sie ein Torhüter mitbringt, ist das zweifellos von Vorteil.

Artur Stopper In der aktiven Zeit als Torhüter hast du in verschiedenen Ländern und Vereinen (Bayern München, Lazio Rom, Austria Wien, Grasshopper Zürich, New York Metro Stars) unterschiedliche Torwartkonzepte kennengelernt. Welche Torwartschule hat dich in deiner heutigen Arbeit am meisten geprägt?

Kristian Barbuscak Ich habe aus all den Stationen etwas mitgenommen. Ich selbst bin in einem kommunistischen Land groß geworden, in dem Disziplin und Zielstrebigkeit wichtige Werte waren und in dem man in den Eliteschulen funktionieren musste. Für Außenstehende erweckte dies den Eindruck, dass die Kinder nicht lachen durften und im Sport wie Maschinen arbeiteten. Das würde ich so nicht unterschreiben. Es wurden einfach die Werte vermittelt, dass man sehr viel erreichen kann, wenn man dafür hart arbeitet. Das möchte ich auch meinen Torhütern weitergeben. In München, wo ich ab und zu mit Sepp Maier und Oliver Kahn trainieren durfte, lernte ich das Training der Maximalkraft kennen. Aus Italien habe ich die Reaktionsschnelligkeit mitgenommen. Nicht der Torwarttrainer hat mir viel beigebracht, sondern der Ball und die Übungen. Dort wurde viel für den letzten Moment trainiert, in dem der Torhüter reagiert. So habe ich ein Gefühl dafür entwickelt, wie ich den Körper oder den Körperschwerpunkt bewegen musste, um die Aktion erfolgreich durchzuführen. Die Zeit in Zürich hingegen war fast eine Art Revolution für mich. Der Torwarttrainer fragte mich, was ich davon halte, beim Abdruck den Fuß zuerst nach innen zu setzen, oder mal zu probieren, den Ball bei der Querpassverteidigung mehr offensiv anzugreifen, anstatt ihn vorbeilaufen zu lassen und ihn eher defensiv zu sichern. Die Schweizer Torwarttrainer waren bereits damals so weit, dass sie mit ihren Torhütern kommuniziert und sie in ihren Ideen mitgenommen haben. Mir hat diese Arbeitsweise sehr imponiert, weil ich an mir feststellen konnte, dass ich mir – anders als in München oder Rom – oft auch nach dem Training noch Gedanken darüber gemacht habe, wie ich am nächsten Tag das Bein positionieren könnte, damit ich noch besser abspringen kann, oder wie ich durch eine noch bessere Positionierung im Raum noch mehr Zugriff auf den Ball haben könnte. Durch diese Art der Vermittlung habe ich mir selbständig noch mehr Gedanken über sportliche Verbesserungen gemacht. Diese Art bevorzuge ich heute im Umgang mit meinen Torhütern.

Artur Stopper Neben der Vereinsarbeit hast du auch schon Erfahrung als National-Torwarttrainer gemacht, als du zur EM-Qualifikation 2012 die Nationalkeeper von Kasachstan gecoacht hast. Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht, und könntest du dir die Arbeit als Nationaltrainer noch einmal vorstellen?

Kristian Barbuscak Für mich war diese Aufgabe eine der schönsten Erfahrungen als Trainer überhaupt, weil ich dieses Land und die Menschen mit einer großen Bewunderung kennengelernt habe. Ich hatte ein gutes Verständnis von diesem Land und seiner Bevölkerung, nicht nur weil ich die Sprache ein bisschen spreche, sondern auch weil mir die alte Sowjet-Mentalität vertraut war, mit der ich so ähnlich aufgewachsen bin. Die Menschen machen sich über ganz andere Sachen Gedanken als in vielen anderen Ländern. Was mir am besten gefallen hat, war der enorme Stolz der Spieler, für ihr Land zu spielen, und die Freude darüber, sich wieder zu treffen und ein Qualifikationsspiel zu bestreiten. Mich hat diese Zeit zurück zu meinen Wurzeln geführt, zu meiner Vergangenheit und zu mehr Dankbarkeit. Für mich war es jedenfalls etwas Besonderes, dort zu arbeiten. Das Sahnehäubchen für mich waren die Qualifikationsspiele gegen Deutschland. Ich war als junger Trainer – damals arbeitete ich in Dubai - ein großer Bewunderer des Sommermärchens 2006 mit Klinsmann, Löw und Köpke. Und nun durfte ich fünf Jahre später als Torwarttrainer der Nationalmannschaft von Kasachstan im Tunnel des Stadions neben diesen Größen stehen und mich mit ihnen messen. Diese Qualifikationsspiele zur EM und WM gegen Deutschland waren für mich deshalb etwas ganz Besonderes. Bei dieser Tätigkeit hat alles gepasst: Ich durfte tolle Reisen erleben, ich lernte das neuntgrößte Land der Erde kennen, auf der anderen Seite konnte ich den Kasachen viele neue moderne Impulse für ihr Torwarttraining geben, das bis dahin zum größten Teil noch von der sogenannten alten Schule geprägt war. Deshalb hat es in unserem Verhältnis einfach gepasst. Ich habe mit meinen damaligen Torhütern heute noch Kontakt. Dieses Land hat mir unglaublich viel gegeben. Um auf die zweite Frage zu antworten: Im Moment tut es mir sehr gut, den tagtäglichen Beruf in Regensburg auszuüben. Ich habe es aber auch genossen, in der Tätigkeit als Nationaltrainer sehr unterschiedliche Aufgaben wahrzunehmen. Deshalb könnte ich mir gut vorstellen, noch einmal eine Tätigkeit in dieser Funktion in irgendeinem Land auszuüben, weil diese Arbeit unglaublich viel mit Demut und Stolz zu tun hat.

Artur Stopper Dein Vertrag wurde vor kurzem bis zum Juni 2021 verlängert. Wie viele Jahre sollen es in Regensburg noch werden?

Kristian Barbuscak So viele wie möglich, denn ich fühle mich in diesem Verein sehr wohl. Ich erlebte diesen Klub in einem Umbruch, wo er gerade aus einem tiefen Loch wieder langsam nach oben kam. Wir alle, die damals gemeinsam an diesem Strang gezogen haben, haben sehr viel Freiraum und Vertrauen von der Klubführung bekommen. Der Verein ist heute wieder gesund, wir haben eine sehr menschliche Politik im Verein, in dem viele Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Wir sind eine große Familie, in der wir alle in die Arme schließen, die zu uns passen. Wir haben eine tolle Mannschaft und sind gerade dabei, unsere Jugendarbeit auf ein gutes Niveau zu bringen. Die Stadt selbst ist wunderschön, genauso wie die gesamte Region. Wenn es nach mir gehen würde, würde ich gerne in die Fußstapfen meiner geschätzten Torwarttrainerkollegen Bernd Weng beim FC Heidenheim, Stefan Kuhnert bei Mainz 05 oder Jörg Sievers bei Hannover 96 treten, die allesamt schon viele Jahre in ihren Vereinen arbeiten.

Artur Stopper Kristian, wir bedanken uns recht herzlich dafür, dass du dir Zeit für uns genommen hast, und wünschen dir mit Jahn Regensburg noch viele sportlich erfolgreiche Jahre.

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Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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