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Seit diesem Sommer steht mit Markus Schubert eines der größten deutschen Torhüter-Talente bei Schalke 04 unter Vertrag. Der 21-jährige unterschrieb bei den Königsblauen einen Vierjahresvertrag bis zum 30. Juni 2023. Schubert kam als 13-Jähriger in die Nachwuchsabteilung von Dynamo Dresden, wo sich der Keeper nach dem Sprung in den Profibereich als Stammtorhüter durchsetzen konnte und mit gerade mal 21 Jahren bereits 43 Zweitligaspiele absolviert hat. Im Trikot des DFB kam der 1,86 m große Torhüter in allen Nationalmannschaften von der U17 bis zur U21 zum Einsatz. Goalguard sprach mit dem aktuellen U21-Nationaltorhüter über seine Zeit bei seinem Ausbildungsverein Dynamo Dresden, über die Gründe seines Wechsels zu Schalke 04 sowie über seine weitere sportliche Zukunft.

Artur Stopper Markus, du bist gerade mal 21 Jahre alt und hast bereits 23 Länderspiele in verschiedenen deutschen Jugendnationalteams vorzuweisen. Keine schlechte Bilanz, oder?

Markus Schubert Nein, nicht schlecht. Allerdings hätten es noch einige Länderspiele mehr sein können, wenn ich bei den internationalen Turnieren gespielt hätte. Ich freue mich aber, dass ich seit der U17 immer in den DFB-Teams dabei war und auch schon einige Turniere mitmachen durfte. Jetzt geht es für mich darum, bei der EM 2021 in Slowenien und Ungarn dabei zu sein und vielleicht ein paar Einsätze zu bekommen.

Artur Stopper In deinem Ausbildungsverein Dynamo Dresden wurdest du schon mit 19 Jahren Stammtorhüter und hast deshalb schon 41 Zweitligaspiele absolviert. Es heißt für die Entwicklung eines jungen Torhüters sei nichts wichtiger als Spielpraxis. Trotzdem hast du dich für den Weg auf die Schalker Ersatzbank hinter Alexander Nübel entschieden. Warum?

Markus Schubert Spielpraxis ist natürlich wichtig, aber man darf nicht das tägliche Training vergessen, in dem man sich weiterentwickeln kann. Sicherlich fehlen im Training die Abläufe des Spiels, aber man versucht, sie so spielnah wie möglich im Training zu simulieren. Ich merke jedenfalls, dass ich in den vergangenen Wochen ein oder sogar zwei Schritte nach vorne gemacht habe. Deshalb ist der Wechsel zu Schalke 04 für mich auch noch im Nachhinein die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

Artur Stopper Der Abschied von deinem Ausbildungsverein Dynamo Dresden verlief nicht problemlos. Ein Teil der Dynamo-Fans hat dir die Art und Weise deines Abschieds übel genommen und dich mit Schmährufen bedacht. Warst du selbst ein bisschen überrascht, wie schnell man vom Liebling der Fans zur Hassfigur werden kann?

Markus Schubert Überrascht war ich nicht, weil ich das Fußballgeschäft kenne und einschätzen konnte, wie manche Fans reagieren. Schließlich war ich als Dresdener Junge selbst lange Teil der Dynamo-Fanszene und wusste deshalb, dass mein Wechsel dort nicht positiv bewertet werden wird. Aber das musste ich in Kauf nehmen, um den nächsten Schritt zu gehen.

Artur Stopper Was hast du aus diesem Vorfall für deine Zukunft gelernt, und was würdest du zukünftig anders machen?

Markus Schubert Gute Frage … Es ist immer wichtig, sich auf seinem Weg nicht beeinflussen zu lassen. Natürlich habe ich Beleidigungen auf von der Tribüne aus erlebt. Andererseits gab es aber auch viele Fans, die sich nach dem Training mit mir unterhalten, Verständnis geäußert haben oder Fotos mit mir machen wollten. Von Ausnahmen abgesehen, gab es neben dem Platz also viele positive Reaktionen. Schlimm waren die Reaktionen im Internet, weshalb ich mein Instagram-Profil gelöscht habe, um die Beleidigungen nicht mehr sehen zu müssen. Mit Hilfe von Freunden und Mitspielern, die meine Entscheidung absolut verstanden und mich unterstützten, habe ich so einen eigenen Schutzraum gebaut. Ich wünsche Dynamo weiterhin nur das Allerbeste, aber es ging bei dem Wechsel um meine eigene sportliche Zukunft.

Artur Stopper Es gab mehrere erstklassige Vereine sowie einige europäische Top-Klubs, die Interesse an deiner Verpflichtung bekundet hatten. Letztendlich hast du dich für Schalke 04 entschieden. Welche Überlegungen gaben den Ausschlag?

Markus Schubert In vielen Telefonaten hatte ich mich mit Schalkes Torwarttrainer Simon Henzler darüber unterhalten, wie er mich sieht, was er an mir verbessern würde und wie die Abläufe und die Trainingseinheiten auf Schalke aussehen. So konnte ich mir ein Bild von Schalke machen. Außerdem unterhielt ich mich bei der EM mit Alexander Nübel über die Situation auf Schalke. Wenn ich mit Alex nicht ein Top-Verhältnis hätte, wäre ein Wechsel nach Schalke sicherlich nicht in Frage gekommen, zumal er ja auch ein jüngerer Torhüter ist. Aber letztlich hat alles perfekt gepasst.

Artur Stopper Was ändert sich für einen jungen, talentierten Torhüter, wenn er von der zweiten Bundesliga in die erste Liga aufsteigt?

Markus Schubert In erster Linie natürlich das Niveau. Die Schüsse, die man aufs Tor bekommt, sind besser, härter und platzierter. Manche Spieler haben eine so überragende Technik, dass du dich als Torhüter manchmal fragst, wie ein Spieler in einer bestimmten Situation überhaupt ein Tor erzielen konnte. Das sind sicherlich die größten Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Bundesliga. Zudem ist auf Schalke alles noch einmal größer und professioneller als in Dresden. Auch das Medieninteresse ist um einiges größer.

Artur Stopper Fußball-Deutschland staunt über die bisher starke Saison von Schalke 04. Du auch?

Markus Schubert Ich habe die vergangene Saison natürlich nur als Außenstehender miterlebt. Personell hat sich die Mannschaft gegenüber der Vorsaison nicht viel verändert, aber um das Team herum ist einiges passiert. Das Trainerteam mit Cheftrainer Wagner ist z.B. neu und einige Positionen rund um die Mannschaft wurden neu geschaffen bzw. besetzt. Ich selbst bin nicht überrascht von dieser Entwicklung, weil ich das Potenzial der Mannschaft und unser Spielsystem in der Saisonvorbereitung kennen gelernt hatte und deshalb wusste, dass wir einiges erreichen können, wenn wir das Geforderte gut umsetzen. Wenn man unsere bisherigen Spiele betrachtet, hätte unser Punktestand durchaus höher ausfallen können.

Artur Stopper Alexander Nübel, dein Vorgänger in der U21-Nationalmannschaft und Teamkollege bei Schalke 04, hat den Sprung ganz nach oben geschafft. Was kannst du dir von ihm abschauen, um irgendwann auch einmal ganz oben anzukommen?

Markus Schubert Natürlich ist mir nicht entgangen, dass er zunächst, als er bei Schalke 04 noch die Nummer zwei hinter Fährmann war, die U21-Nationalmannschaft genutzt hat, um Spielpraxis auf internationalem Niveau zu sammeln. Diesen Weg möchte ich auch bestreiten. Auf Schalke muss ich mich im Training weiter entwickeln und zeigen, dass ich auch ins Tor gehöre. Trotzdem bin ich Markus Schubert und möchte auch meinen eigenen Weg gehen.

Artur Stopper Das moderne Torwartspiel ist heute mehr als früher an das Spielsystem der jeweiligen Mannschaft angepasst. Welche Unterschiede gibt es in der Spielphilosophie der U21-Nationalmannschaft und Schalke 04, und welche Veränderungen ergeben sich daraus für dich als Torhüter?

Markus Schubert Die Unterschiede zwischen dem Spielsystem auf Schalke und der U21-Nationalmannschaft sind für Torhüter äußerst gering. Bei beiden Mannschaften wollen wir spielerische Lösungen finden. Sicherlich stehen die Außenverteidiger etwas anders, deshalb muss man den ein oder anderen Spieler bei Ballbesitz des Gegners etwas anders anweisen. Aber ansonsten besteht im Torwartspiel kein großer Unterschied zwischen den beiden Mannschaften.

Artur Stopper Woran musst du noch besonders arbeiten, um deine gesteckten Ziele zu erreichen?

Markus Schubert An allem! Es gibt viele Details, die wir im Training analysieren und verbessern wollen. Vieles kommt aber auch mit der Spielpraxis. Besonders in der Raumverteidigung wird man vor allem durch Spieleinsätze sicherer.

Artur Stopper Du stehst erst am Anfang deiner Karriere. Gibt es einen großen Klub / Traumverein, bei dem du gerne einmal spielen würdest?

Markus Schubert In der Jugend war es immer mein Traum, einmal im Tor von Dynamo Dresden zu stehen. Dieses Ziel habe ich erreicht. Aber auch Schalke 04 ist ein solcher Traumverein, ein großer Club mit einem enormen Potenzial.

Artur Stopper Markus, vielen Dank dafür, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Ich wünsche dir auf deinem weiteren Weg viel Glück!

InterviewMarkus Schubert1. BundesligaFC Schalke 04

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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