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Seit Januar 2021 steht Nico Mantl beim österreichischen Meister Red Bull Salzburg unter Vertrag. Mit nur 21 Jahren hatte er bereits 62 Spiele für die SpVgg Unterhaching in der dritthöchsten deutschen Spielklasse absolviert. Nicht nur deshalb wurde RB Salzburg auf das Torwarttalent aufmerksam und nahm ihn bis 2025 unter Vertrag. Aktuell bildet er zusammen mit Luca Philipp (TSG Hoffenheim) und Noah Atubolu (SC Freiburg) das Torwarttrio für die EM-Qualifikationsspiele im November 2021 gegen Polen und San Marino.

Goalguard hatte die Gelegenheit, Nico Mantl zu seinem Wechsel und seinen Erfahrungen beim Champions-League-Teilnehmer RB Salzburg sowie seiner Situation in der U21-Nationalmannschaft zu befragen.

Artur Stopper Nico, zusammen mit Luca Philipp (TSG Hoffenheim) und Noah Atubolu (SC Freiburg) wurdest du ins Torwartteam für die U21-Nationalmannschaft nominiert. Was bedeutet dir diese Einladung?

Nico Mantl Natürlich ist es für mich eine große Ehre, für die deutsche U21-Nationalmannschaft nominiert zu werden. Es gibt viele gute und junge Torhüter in Deutschland. U21-Torwarttrainer Klaus Thomforde kann nur drei davon nominieren. Dass ich bei diesen Dreien dabei bin, ist eine riesige Bestätigung für mich und macht mich sehr stolz.

Artur Stopper Du bist im Januar 2021 vom damaligen Drittligisten SpVgg Unterhaching zu Red Bull Salzburg gewechselt. Welche Chancen und Perspektiven hast du dir mit dem Wechsel zum österreichischen Meister erhofft?

Nico Mantl Für mich war klar, dass ich eine neue Herausforderung brauche. Diese habe ich gesucht und in Salzburg gefunden. Jeder konnte in den vergangenen Jahren verfolgen, wie viele junge Talente in Salzburg gut ausgebildet wurden und den sportlichen Durchbruch geschafft haben. Mein Ziel ist es, in Salzburg Fuß zu fassen und genügend Spielzeiten zu bekommen, damit ich mich schnell weiterentwickeln kann.

Artur Stopper Was ändert sich für einen jungen, talentierten Torhüter, wenn er aus der dritten Liga zu einem Champions-League-Klub wechselt?

Nico Mantl Da ändert sich sehr viel. Allein das Trainingsgelände, das wir in Salzburg haben, ist unfassbar groß. Die Bedingungen und die Qualität der Rasenplätze sind überragend. Alles, was man zur Weiterentwicklung braucht, ist dort vorhaben. Auch die Qualität der Mannschaft ist noch einmal deutlich höher. Ich musste mich zuerst an das deutlich höhere Spieltempo gewöhnen, denn alles läuft viel schneller ab. Die Bedingungen in Salzburg sind also optimal, um sich als Spieler weiterzuentwickeln.

Artur Stopper Was hat dich bei deinem Wechsel in die etwas größere Fußballwelt am meisten beeindruckt?

Nico Mantl Tief beeindruckt war ich beim Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Bröndby Kopenhagen von der Zuschauerkulisse mit den dänischen Fans. Natürlich gibt es auch in der dritten Liga Traditionsvereine, die eine große Fangemeinde haben und große Unterstützung durch ihre Fans erfahren. Was ich aber in Kopenhagen erlebt habe, war überragend. Ich war überwältigt von der Atmosphäre, die dort geherrscht hat. So hatte ich das noch nie erlebt.

Artur Stopper Beim FC Red Bull Salzburg ist es für dich zuletzt nicht nach Wunsch gelaufen. Als Nummer 1 in die Saison gegangen, zog Trainer Matthias Jaissle nach dem dritten Spieltag Philipp Köhn als Stammtorhüter vor. Wie überrascht warst du von dieser Maßnahme und wie gehst du mit dieser Situation um?

Nico Mantl Für mich kam der Torwartwechsel sehr überraschend. Aber der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft, bei dem alles wieder schnell in die andere Richtung gehen kann. Als junger Spieler sollte man jetzt nicht anfangen, an sich zu zweifeln. Ich gebe jeden Tag Gas im Training und versuche mich zu konzentrieren, damit der Trainer mir noch einmal eine Chance gibt. In dieser Situation helfen keine Selbstzweifel, sondern man muss erst recht zeigen, was man kann. Schließlich spielt man nicht ohne Grund bei einem solchen Verein.

Artur Stopper Trotz deines jungen Alters hattest du bereits 62 Pflichtspiele in der dritten Liga für Unterhaching absolviert. Alle Fachleute sind sich einig, dass Spielpraxis für einen jungen Torhüter für seine Entwicklung elementar wichtig ist. War es nach aktuellem Stand im Nachhinein ein Fehler, nach Salzburg zu wechseln?

Nico Mantl Überhaupt nicht! Ich bereue diesen Schritt in keiner Weise. Natürlich lief es bei mir in Salzburg bisher nicht wie erhofft oder geplant, aber so ist das Leben. Jeder Mensch muss in seinem Leben Rückschläge hinnehmen und verarbeiten. Es bleibt nichts anderes übrig, als darum kämpfen, dass man irgendwann noch stärker zurückkehrt. Sicherlich ist es, wie du bereits sagtest, für einen jungen Torhüter wichtig, Spielpraxis zu sammeln. Trotz allem würde ich den Schritt zu RB Salzburg noch einmal machen.

Artur Stopper Manfred Schwabl, der Präsident der SpVgg Unterhaching, hat sich bei deinem Wechsel massiv darüber beklagt, dass nur „unterirdische Angebote“ aus der Bundesliga für dich vorgelegen hätten und man in Deutschland „für so einen klasse Tormann“ keine Verwendung hätte. Warum sind die Perspektiven für einen jungen Torhüter in Deutschland eher schlecht?

Nico Mantl Unsere Spitzentorhüter wie Neuer, ter Stegen, Leno und einige andere wurden bereits in sehr jungen Jahren ins kalte Wasser geworfen und hatten so Spieleinsätze in der Bundesliga und in internationalen Wettbewerben. Deshalb konnten sie schon früh Erfahrung sammeln und sich entwickeln. Es ist schwierig zu sagen, warum diese Perspektiven für junge Torhüter heute nicht mehr da sind. Wenn man die Klasse der aktuellen Stammtorhüter in der Bundesliga betrachtet, ist es aber schwierig, einen von ihnen herauszunehmen und stattdessen einem 20-Jährigen eine Chance zu geben. Hinzu kommt, dass viele ausländische Torhüter, die ihren Job gut machen, Plätze belegen. Es ist also für die Verantwortlichen sicherlich schwierig, mit Risiko auf einen jungen Torhüter zu setzen.

Artur Stopper Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund sagte zu deinem Transfer: "Nico ist ein Torwart mit großem Potenzial und passt von seiner Art und Weise, wie er sein Tormannspiel interpretiert, sehr gut zu uns." Welche Anforderungen muss ein Torhüter in der RB-Torwartphilosophie erfüllen?

Nico Mantl Es wird von einem Torhüter heute verlangt, dass er fußballerische Qualitäten mitbringt und mitspielen kann. Ich bin ein Torhüter, der gerne Fußball spielt. Bereits in Unterhaching haben wir dieses Spiel von hinten heraus gepflegt, was mir natürlich sehr entgegen kam. Dadurch konnte ich meine Fähigkeiten in diesem Bereich verbessern. In der RB-Philosophie ist es wichtig, dass ein Torhüter hoch steht, weil die Mannschaft hoch presst, und der Schlussmann zudem Bälle ablaufen kann. Außerdem ist der Torhüter als erster Aufbauspieler gefordert, der seiner Mannschaft beim Aufbauspiel hilft. Aber ein RB-Torhüter muss selbstverständlich auch auf der Linie gut sein.

Artur Stopper Haben die Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft dieselben Vorstellungen vom Torwartspiel, oder welche Umstellungen kommen bei Einsätzen im DFB-Team auf dich zu?

Nico Mantl Ich empfinde die Anforderungen in der U21-Nationalmannschaft ziemlich identisch mit den Anforderungen im RB-Spiel. Auch bei der U21-Nationalmannschaft wollen wir von hinten heraus spielen und den Gegner hoch pressen. Daher ist das vom Trainer geforderte Torwartspiel in beiden Teams sehr ähnlich.

Artur Stopper Deine Konkurrenten um die Nummer eins in der U21-Nationalmannschaft sammeln regelmäßig Spielpraxis in der dritten Liga (Atubolu) oder der Regionalliga (Philipp). Wie siehst du deine eigenen Chancen auf einen Einsatz in den EM- Qualifikationsspielen ohne regelmäßige Spieleinsätze?

Nico Mantl Natürlich ist das immer schwer zu sagen. Sicherlich ist die Entscheidung für mich als Torhüter für den Trainer schwieriger, wenn er mich nicht regelmäßig spielen sieht. Trotzdem versuche in jedem Training meine Qualitäten auf den Platz zu bringen und mich auf diese Weise zu empfehlen.

Artur Stopper Deutschland gewann das EM-Finale der Saison 2021 in Ungarn/Slowenien, ist also aktueller EM-Titelträger. Wie schätzt du die Chancen des aktuellen U21-Teams auf eine Titelverteidigung ein?

Nico Mantl Das ist sehr schwer vorherzusagen. Es war nicht das erste Thema bei unseren Besprechungen, den Titel wieder verteidigen zu wollen. Der Zeitpunkt, eine Prognose abzugeben, ist noch sehr früh. Immer wieder kommen neue Spieler dazu, die Mannschaft verändert sich noch ständig. Daher beschäftigen wir uns mit diesem Thema noch nicht, sondern schauen nur von Spiel zu Spiel und blicken nur auf die Weiterentwicklung der Mannschaft.

Artur Stopper Nico, ich bedanke mich sehr herzlich bei dir dafür, dass du dir Zeit für uns genommen hast, und wünsche dir viel Erfolg auf deinem weiteren sportlichen Weg.

InterviewRB SalzburgNico Mantl1. Bundesliga (Österreich)

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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