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Seit dem Sommer 2020 ist Sven Höh offiziell Torwarttrainer der Profi-Torhüter beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern. Bereits ein halbes Jahr zuvor hatte er diese Funktion kommissarisch als Nachfolger von Gerry Ehrmann übernommen, der 36 Jahre lang für die Torhüterausbildung auf dem Betzenberg zuständig war und nach Vereinsquerelen von dieser Aufgabe entbunden wurde. Für den 36-jährigen gebürtigen Kaiserslauterer Sven Höh ist sein Arbeitsgebiet nicht neu. Bereits seit 2009 war er als Torwart-Koordinator und Torwart-Trainer der U 21, U 19 und U 17 beim FCK beschäftigt. Seit Mai 2019 ist der Inhaber der UEFA-A-Lizenz für Torwart-Trainer, der höchsten Ausbildungsstufe, nun also als Torwarttrainer der Profi-Keeper tätig. Goalguard hat Sven Höh zu seiner neuen Tätigkeit als TW-Trainer der Profi-Torhüter, zu den Unterschieden gegenüber seiner Arbeit im NLZ sowie seiner Trainingsphilosophie befragt.

Artur Stopper Sven, der Traditionsklub 1. FC Kaiserslautern erlebt gerade unruhige Zeiten. Bereits zwei Cheftrainer mussten in der laufenden Saison ihren Hut nehmen. Anfang Februar titelte der kicker einen Bericht über den FCK mit der Überschrift „Planlos in Richtung Regionalliga“. Beschriebt diese Schlagzeile die aktuelle Lage in Kaiserslautern richtig?

Sven Höh Ich bin aktuell das zwölfte Jahr in Kaiserslautern und kann schon sagen, dass wir im Moment mit die unruhigste und schwierigste Saison der Vereinsgeschichte erleben. Trotzdem sehe ich alles auch immer aus einem positiven Blickwinkel. Der Verein hat in den letzten Monaten einen Umbruch durchlebt, und nun geht es darum, dass wir die Mannschaftsleistungen dringend auch in Ergebnisse ummünzen, um uns tabellarisch zu stabilisieren. Danach werden wir, so wie sich der Verein jetzt aufstellt, in eine deutlich positivere Zukunft blicken.

Artur Stopper Seit dieser Saison bist du vom NLZ zu den Profi-Torhütern aufrückt, nachdem du dieses Amt bereits seit Februar als Nachfolger der nach 36 Jahren von seinen Aufgaben entbundenen Lauterer Torhüter-Legende Gerald "Gerry" Ehrmann kommissarisch übernommen hattest. Wie groß waren seine Fußstapfen für dich?

Sven Höh Das wurde ich schon oft gefragt. Aber ganz ehrlich, es wäre vermessen, wenn ich versuchen würde, in genau diese Fußstapfen zu treten. Alleine seine Erfolge als Spieler werde ich nicht mehr erreichen und seine Torwarttrainer-Erfolge sind ebenso außergewöhnlich. Daher bin ich eher dankbar, dass Gerry mir damals die Möglichkeit gegeben hat, im Verein als Torwarttrainer hauptamtlich tätig zu sein.

Artur Stopper Seit 2009 bist du schon für den FCK tätig und daher möglicherweise von Gerry Ehrmann mitgeprägt. Wieviel Gerry Ehrmann steckt noch in deiner Trainingsarbeit?

Sven Höh Ich habe über zehn Jahre mit ihm Torhüter beim 1.FCK ausgebildet, daher steckt mit Sicherheit einiges davon in meiner Trainingsarbeit. Allerdings muss ich auch sagen, dass Gerry seinen Torhüter (und auch mir) immer vermittelt hat, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss, niemand kopieren soll und diesen Weg mit voller Überzeugung gehen muss. Genau dies hat ja er auch gemacht, und das war mit Sicherheit das Fundament für seine Erfolge. Auch ich habe von Anfang an versucht, niemanden zu kopieren, sondern mir von überall das Beste herauszuziehen. Neben dem vielen positiven Input im eigenen Verein pflege ich auch einen sehr intensiven Austausch zu Torwarttrainern aus vielen Bundesligavereinen. Diesen Input habe ich über die einjährige höchste Torwarttrainerausbildung (UEFA Torwarttrainer A-Lizenz) nochmals intensiviert, um mich weiterzuentwickeln und auf dem aktuellsten Stand zu halten.

Artur Stopper Was unterscheidet die Trainingsarbeit bei den Profis von deiner früheren Arbeit im NLZ?

Sven Höh Viel. Um im NLZ erfolgreich zu sein, muss sehr viel Hintergrundarbeit geleistet werden. Da geht es um Grundstrukturen, um Ausbildung, wofür man viel Geduld braucht, sowie eine gute Perspektiveinschätzung. Diese Grundstrukturen werden oft unterschätzt. Als ich beim 1.FCK angefangen habe, wurde zum Teil noch Torwarttraining von Eltern erteilt. Aus finanziellen Gründen war es allerdings auch nie möglich, dass wir fertig ausgebildete Torwarttrainer verpflichten. So ging es in erster Linie darum, die Torwartabteilung mit jungen, hochmotivierten Torwarttrainern aufzubauen, welche selbst noch ausgebildet und deshalb einen hohen Aufwand im Bereich Torwartausbildung und Torwartscouting betreiben mussten. Hier muss ich schon sagen, dass unsere vielen Erfolge der vergangenen Jahre im NLZ auch unseren nebenberuflichen Torwarttrainer zu verdanken sind. Da der Nachwuchsbereich immer ergebnisbezogener und schnelllebiger wird, geht es auch hier darum, dieser Entwicklung als Torwart-Verantwortlicher entgegenzusteuern und Talente auf ihrem Weg zu unterstützen. Wir hatten nie fertige Torhüter, die von Beginn an auf einem TOP-Niveau performt haben. Allerdings durchliefen sie dann bis im Leistungs- und Übergangsbereich viele Phasen und konnten so viel Erfahrung sammeln. Nicht ohne Grund sind die meisten unserer Torhüter erst im Bereich der U20/U21 in die Nationalmannschaft gekommen und konnten andere langjährige U-Nationaltorhüter verdrängen. Dies alles gelingt jedoch nur, wenn man ein gutes TW-Scoutingprofil verfolgt und sich in der täglichen Arbeit immer wieder daran orientiert. In der jetzigen Arbeit als Torwarttrainer der Profis versuche ich unseren allen noch sehr jungen Torhütern weiterhin möglichst viel mitzugeben. Aus diesem Grund haben wir auch das letzte Jahr mit vier Torhüter bei den Profis trainiert, um allen perfekte Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Im Vordergrund bei meiner jetzigen Tätigkeit steht natürlich trotzdem immer das Spiel am Wochenende, um optimal darauf vorbereitet zu sein. Sowohl Lennart zum Rundenende der letzte Saison als auch Avdo in dieser Saison haben non-stop unter der Woche versucht, ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern. Dadurch waren sie zum Wochenende immer wieder im maximalen Wettkampfmodus und zeigten sehr gute Leistungen.

Artur Stopper Ex-Nationaltorhüter Roman Weidenfeller kritisierte vor kurzem die Torhüterausbildung in den NLZ. Nach seiner Meinung würden die Torhüter heutzutage mehr darauf trainiert, als elfter Feldspieler zu agieren. Dabei würden die Grundlagen vernachlässigt. Wie beurteilst du seine Aussage?

Sven Höh Die Torwartausbildung im NLZ muss (!) alle Bereiche umfassen. Ein Torhüter hat heutzutage nur eine Chance, wenn er in allen Bereichen eine gute bis sehr gute Leistungsfähigkeit hat. Wenn torwartspezifische Inhalte vernachlässigt werden, so hat Roman Weidenfeller mit seiner Aussage natürlich recht. Die Basis ist und bleibt alles dafür zu tun, damit Gegentore verhindert werden. Darüber hinaus braucht ein Torhüter heute die Fähigkeit, beidfüßig und mit gutem Spielverständnis am Spiel teilzunehmen. Daher gibt es hier für mich nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern unser Auftrag ist es, die Torhüter in jedem Bereichen optimal zu trainieren, ohne einen anderen Bereich außer Acht zu lassen.

Artur Stopper Du hast einige Jahre mit dem aktuellen U21-Nationaltorwart Lennart Grill gearbeitet, der vor dieser Saison zu Bayer Leverkusen gewechselt war und bis zur Verletzung von Hradecky ein Schattendasein auf der Ersatzbank ohne Spieleinsätze fristete. Hat sich Lennart in seiner Karriereplanung dennoch richtig entschieden?

Sven Höh Für mich und meine Torhüter gibt es nur den Blick in die Zukunft. Wir werden nie wissen, wie ein anderer Weg von Lennart ausgesehen hätte. So ist es auch auf dem Platz, einen begangenen Fehler werden wir nicht mehr rückgängig machen, nur die Zukunft können wir beeinflussen. Daher freut es mich jetzt enorm für Lennart, dass er seine ersten Bundesligaspiele absolviert hat und hoffe für ihn, dass er aus den Spielen mit Selbstvertrauen hervorgeht und nun die nächsten Schritte in seiner Karriere angeht. Er hat noch alles vor sich und kann noch viel erreichen.

Artur Stopper Auch seine U21-Nationalmannschaftskonkurrenten Markus Schubert (Eintracht Frankfurt) und Finn Dahmen (Mainz 05) verbringen die meiste Zeit auf der Ersatzbank. Warum gelingt es jungen Torwarttalenten immer seltener, sich bereits in jungen Jahren als Nummer eins in ihrem Verein durchzusetzen?

Sven Höh Ich sehe das nicht so negativ. Beide Jungs haben die letzten Jahre enorm viel aus ihren Möglichkeiten herausgeholt und viel erreicht. In der gleichen Zeit gab es etliche Konkurrenten von ihnen, welche jetzt gerne dort wären, wo sie sind. Nun geht es für sie darum, sich dem Konkurrenzkampf zu stellen und ihre Chance, sobald sie kommt, zu nutzen und sich durchzusetzen. Ein Torwartumbruch wie damals mit Manuel Neuer zum mitspielenden Torhüter führte in früheren Jahren zu einer grundsätzlichen Verjüngung auf der Position. Heute haben wir nicht nur mit Manuel Neuer sehr komplette Torhüter, sondern auch noch dazu komplette Torhüter mit unheimlich großer Erfahrung. Daher sind die zu vergebenden Plätze eng begrenzt und heiß umkämpft. Die Torhüter brauchen Geduld und dürfen nicht vergessen, dass sie jeden Tag alles auf dem Platz geben müssen. Haben sie sich diese Chancen erarbeitet, so freue ich mich immer, wenn Vereine wie wir den Mut haben, den jungen Torhütern diese Einsatzmöglichkeiten und Rückendeckung zu geben. Das ist für mich der einzige Weg, um unsere jungen Torhüter auf TOP-Niveau zu bringen und dann dort spielen zu sehen. Daher sind hier die Torhüter, der Verein und gerade wir Torwarttrainer im täglichen Umgang und Training gefragt, um dieses Ziel zu erreichen. Unsere Torhüter beim FCK verspüren vollstes Vertrauen und sehen die realistische Chance, in einem jungen Torwartteam den nächsten Schritt zu machen. Dieses Vertrauen bekommen wir dann mit sehr guten Torwartleistungen als Verein zurück.

Artur Stopper Sven, ich wünsche dir und dem 1. FC Kaiserslautern, dass ihr die momentan schwierige Phase des Vereins gut übersteht und weiterhin viele gute Torhüter auf dem Betzenberg ausgebildet werden.

Interview1. FC KaiserslauternSven Höh

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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