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Wie Untersuchungen gezeigt haben, muss ein Torhüter in der Regel pro Spiel zwei bis drei 1 gegen 1 - Situationen bewältigen. Deshalb braucht der Torhüter Handlungsstrategien, wie er sich am besten verhalten soll, damit er diese Spielsituation erfolgreich bewältigt. Wie wir bereits im Artikel „Die Distanz bestimmt das Torhüterverhalten“ gezeigt haben, hängt sein Verhalten vor allem von dem Abstand zum Schützen ab. Wenn es ihm gelingt, nahe an den Schützen heranzurücken, muss er sich für eine Option entscheiden, die in der Nahdistanz möglich ist. Von der Nahdistanz spricht man bei einer Entfernung von 0 – 3 m zwischen dem Torhüter und dem Schützen. Genau genommen muss man dabei 0 m ausschließen, denn in diesem Fall würde der Torhüter die Technik des Ballangriffs wählen, weil er bereits vor dem Schützen am Ball wäre.

Wenn es der Torhüter schafft, bis in eine solch nahe Distanz an den Stürmer heranzurücken, geht es für ihn darum, eine minimale Trefferfläche für den Stürmer zu erzeugen. Die geeignete Lösung dafür ist der Block. Der Torhüter hat dabei die Wahl zwischen einem dynamischen oder durchgeschobenen Block oder dem statischen Block.

Die folgende Grafik veranschaulicht, warum die Nahdistanz in der 1gegen1-Situation für den Torhüter eine günstige Position ist.

Winkel in der Nahdistanz

Die Grafik macht deutlich: Je näher der Torwart am Ball ist, desto mehr Torfläche kann er abdecken. Denn mit jedem Schritt, den er näher an den Torhüter heranrückt, werden die Räume seitlich für den Schützen kleiner. Am günstigsten ist also für den Torhüter, wenn er möglichst nahe an den Gegner herankommt und mit einem Block den Torabschluss des Gegners verhindert. So hat es der Schütze äußerst schwer, den Ball am Torhüter vorbeizulegen oder über ihn hinwegzuheben.

Voraussetzung ist eine gute Startposition

Die wichtigste Voraussetzung, um überhaupt in den Block zu kommen, ist für Sven Höh eine gute Startposition. Für den FCK-Torwarttrainer ist die optimale Positionierung vor einer Entscheidung eine mittlere Distanz zwischen der Nah- und Reaktionsdistanz. Aus dieser Ausgangsposition heraus kann der Torhüter je nach Situation entscheiden, ob er den Stürmer in einer Vorwärtsbewegung angreift oder sich eher fallen lässt, um mehr Reaktionszeit zu gewinnen.

Der richtige Impuls nach vorne

Oft kann man in Spielen beobachten, dass sich der Torhüter noch im Moment des Schusses nach vorne bewegt. Zweifelsohne hat er dann den falschen Zeitpunkt gewählt. Er ist zu spät dran und kann die Situation nicht bewusst kontrollieren. Der Impuls nach vorne muss daher im richtigen Moment erfolgen und der Torhüter muss rechtzeitig in die Grundstellung und Balance kommen. „Wichtig ist in die Nahdistanz zu kommen, wenn der Ball als Pass unterwegs ist oder wenn der Stürmer den Ball noch einmal mitnimmt“, nennt Sven Höh als den richtigen Zeitpunkt. Wenn der Stürmer also statt eines Schusses den Ball beim Erstkontakt noch einmal nach vorne mitnimmt, ist das der Impuls für den Torhüter, in höchstmöglichen Tempo den Ball anzugreifen.

Der technische Ablauf und die richtige Fußwahl

Wie bereits erwähnt, stehen dem Torhüter bei einer 1gegen1-Situation in der Nahdistanz verschiedene Techniken zur Verfügung. Allen gemeinsam ist, dass „der Oberkörper aufrecht und nach vorne gebeugt, maximal groß und nicht weggedreht“ sein soll. Die Arme befinden sich leicht gebeugt über den Beinen, um einen über den Körper gechipten Ball oder einen neben den Körper geschossenen mit einem Handreflex noch halten oder ablenken zu können. Oft kann man beobachten, dass der Stürmer den Ball flach knapp am Körper vorbei oder durch die Beine des Torhüters spielt, weil der Keeper nicht mehr rechtzeitig den Raum unter ihm schließen konnte. Sven Höh hat zur besseren Lösung dieser Situation einen Rat bereit. Nach seiner Meinung ist es oftmals besser, auf einen halben Meter mehr an Nähe zum Schützen zu verzichten und stattdessen durch eine frühzeitigere gute Position besser den Raum nach unten zu schließen.

Und noch etwas muss der Torhüter in der Aktion beachten, nämlich die richtige Fußwahl. Beim Schuss des Angreifers ist immer das gegenüberliegende Bein das Blockbein, während das andere Bein das lange Blockbein bildet. Anders ausgedrückt: Schießt der Schütze mit dem linken Fuß, ist das rechte Bein im 90°-Winkel angestellt, das Knie des linken Beines zeigt hingegen in Richtung Boden und schließt die Mitte.

Mit einem Block verfolgt der Torhüter ein klares Ziel. Er will sich vom Angreifer durch eine möglichst breite Körperfläche anschießen lassen. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht der Torhüter zwei weitere Voraussetzungen. Zum einen benötigt er eine gute Körperstabilität, um in der Situation nicht nach hinten wegzukippen. Mindestens so wichtig ist aber auch eine gute Beweglichkeit. Besonders im langen Block, der einer Spagat ähnlichen Bewegung gleicht, wird evident, wir mobil der Torhüter vor allem im Adduktorenbereich sein muss, um die 1gegen1-Situation mit dieser Technik erfolgreich zu bewältigen. Bringt er diese Beweglichkeit nicht mit, muss sich der Torwarttrainer überlegen, ob der lange Block überhaupt eine geeignete Technik für seinen Torhüter ist.

Torwartspiel

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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