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Die Situation als solche ist jedem Torhüter vertraut. Ein gegnerischer Spieler läuft, nachdem er die Verteidiger abgeschüttelt hat, mehr oder weniger unbedrängt auf den Torhüter zu. Es kommt zu einer sogenannten 1 gegen 1 - Situation. Meist ist es ein Steckball, der diese Situation ausgelöst hat. Aber auch Flugbälle über die Abwehrkette hinweg oder ein gewonnener Zweikampf können ein solche Lage heraufbeschwören. Innerhalb einer äußerst kurzen Zeitspanne muss der Torhüter entscheiden, wie er sich in dieser Aktion am besten verhält, um den gegnerischen Stürmer am Torerfolg zu hindern. Sekundenschnell rasen ihm verschiedene Gedanken durch den Kopf: Kann ich den Ball noch ablaufen und klären, bevor er zur Gefahr wird? Wenn nicht, wie weit soll ich dem Angreifer entgegenlaufen? Habe ich vielleicht sogar eine bessere Position für mich, wenn ich in Tornähe bleibe? Wie positioniere ich mich am besten und welche Technik soll ich zur Abwehr des Balles anwenden? Möglicherweise können auch noch seine Mitspieler in den Ablauf eingreifen, seine Entscheidung ist also zusätzlich abhängig von der Positionierung seiner Mitspieler.

Über all diese verschiedenen Fragen muss der Torhüter in der Situation in Sekundenschnelle entscheiden. Doch ist er in dieser Sachlage allein seinem Bauchgefühl und seiner Wahrnehmung ausgesetzt oder gibt es Hilfen und Orientierungspunkte, die dem Torhüter in dieser Situation helfen, möglichst schnell die richtige Entscheidung zu treffen und die Aktion damit erfolgreich zu bewältigen?

Sven Höh, Torwarttrainer bei den Profis des Drittligisten 1. FC Kaiserslautern, hat in einem Onlinevortrag der ProKeeper Akademie taktische Prinzipien vorgestellt, die dem Torhüter bei seiner Entscheidungsfindung helfen sollen. Nach seiner Ansicht ist das Verhalten des Torhüters vor allem von der Distanz zum Schützen abhängig. Um dem Torhüter hilfreiche Verhaltensprinzipien an die Hand zu geben, hat Höh die 1 gegen 1 - Situation in drei Distanzzonen unterteilt, die in der folgenden Grafik dargestellt sind:

Distanzen

In früheren Zeiten war vor allem die Verkürzung des Winkels das allgemein übliche Verhaltensprinzip in der 1 gegen 1 - Situation. Der Torhüter sollte dem Ballführenden möglichst im Vollsprint entgegen spurten, um so die mögliche “Trefferfläche” des Tores zu verkleinern. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden. Die Erkenntnis hat sich durchgesetzt, dass sich ein Torhüter je nach Distanz zum Schützen anders positionieren und verhalten muss. Neben dem gewohnten Prinzip der virtuellen Verkleinerung des Tores rückt ein weiterer Aspekt in den Fokus, nämlich die Vergrößerung der Reaktionszeit bei größerem Abstand. D.h. je größer der Torhüter den Abstand zum Schützen hält, umso mehr Zeit gewinnt er, auf den Schuss des Angreifers reagieren zu können. Abhängig von der Distanz muss der Torhüter aber auch seine entsprechend Technik anpassen. Anders ausgedrückt: Jede Distanz verlangt andere Techniken und athletische Voraussetzungen. Wie sich der Torhüter in der jeweiligen Distanz taktisch und technisch richtig verhält, erklären wir euch in Kürze in nachfolgenden Artikeln.

Torwartspiel

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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