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  • Sportspielforscher Daniel Memmert ist sich sicher. In wenigen Jahren wird sich das Schulen und Verbessern der kognitiven Fähigkeiten zu einem zentralen Baustein im Training entwickeln und den gleichen Stellenwert im Trainingsalltag haben wie die bereits gebräuchlichen Leistungsfaktoren Technik, Taktik und Athletik. Schon heute spielt dieser Trainingsschwerpunkt bei einigen Torwarttrainern eine Rolle. Durch die professionelle Arbeit in Nachwuchsleistungszentren sind junge Torhüter heutzutage weit besser in technischen Abläufen, im athletischen Bereich sowie im taktischen Verhalten geschult als ihre Vorgänger. Deswegen wird die Arbeit mit dem Gehirn zukünftig die entscheidenden Vorteile bringen. Darin sind sich die meisten Wissenschaftler einig.

    Was versteht man unter kognitiven Fähigkeiten?

    Die Bezeichnung kognitiv ist abgeleitet von lateinisch cognoscere und bedeutet erkennen. Auf den Sportbereich übertragen versteht man unter Kognition die schnelle Erkennung und Verarbeitung von Informationen mit dem Ziel, in einer Spielsituation schneller die richtige Lösung zu finden und somit die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Um die optimale oder richtige Lösung in einer Situation zu finden, müssen verschiedene kognitive Faktoren wie Antizipation, Wahrnehmung oder Aufmerksamkeit bei einem Torhüter weiterentwickelt werden.

    Antizipation

    Antizipieren bedeutet vorausahnen. Ein Torhüter soll durch die Bewegungen des Schützen oder bestimmte Spielabläufe bereits erkennen, was der Schütze vorhat, bevor dieser die Aktion durchführt. Dadurch hat sich der Torhüter im optimalen Fall bereits auf die Aktion eingestellt, bevor sie eintritt. Beispielsweise erahnt er einen Ball, der hinter die Abwehrkette gespielt wird, und kann den Ball so ablaufen, dass die eigene Mannschaft wieder im Ballbesitz kommt und er das Spiel kontrolliert aufbauen kann. Oder er erkennt die Gefahr eines Diagonalpasses frühzeitig und stellt sich oder seine Mitspieler auf die Verteidigung dieser Aktion ein. Dr. Florian Schultz von der Uni Tübingen hat untersucht, wie Torhüter antizipieren. Sein Ergebnis: Erfahrene Torwarte erkennen früher und häufiger, wohin der Schuss geht. Erfahrung ist also eine wichtige Grundlage für die Antizipation. Bundestorwarttrainer Andy Köpke unterstreicht diese Erkenntnis: „Ich glaube, dass man das als junger Torwart gar nicht so wahrhaben will. Dabei ist es einfach so: Je häufiger man gewisse Situationen erlebt hat, desto besser geht man damit um. Natürlich erkenne ich mit Erfahrung früher, wohin der Schütze schießt, natürlich erkenne ich früher, ob ich beim nächsten langen Ball raus muss. Einfach weil ich schon viel mehr erlebt habe.“

    Wahrnehmung

    Eine weitaus bedeutendere kognitive Fähigkeit für Torhüter ist die visuelle Wahrnehmung. Ein Torhüter selektiert die mit den Augen aufgenommenen Informationen und unterscheidet sie in wichtige und unwichtige. Er muss diese Aspekte auswählen und verwenden, die für ihn für die optimale Lösung einer Spielsituation von Bedeutung sind. Eine besondere Bedeutung hat dabei das periphere Sehen. Der Torhüter muss seinen Gesichtskreis erweitern und z.B. aus den Augenwinkeln wahrnehmen, wie sich Mit- oder Gegenspieler verhalten oder von welchem Spieler die höchste Torgefahr ausgeht. Diese Informationen bilden die Orientierungsgrundlage für sein Handeln und seine Entscheidung. Dr. Florian Schultz stellt fest: „Bezüglich der Informationsverarbeitung kann man übergreifend sagen, dass sich erfolgreiche Torhüter u.a. dadurch auszeichnen, dass sie relevante Hinweisreize, die z. B. aus der Bewegung des Schützen gewonnen werden können, effektiv nutzen können.“

    Wenn ein Torhüter nur auf den Ballführenden konzentriert ist, nimmt er nicht wahr, von welchen anderen Spielern Gefahr ausgehen könnte. Um aber eine richtige Entscheidung für sein Verhalten in der entsprechenden Situation treffen zu können, sind das periphere Sehen und die ganzheitliche Wahrnehmung der Spielsituation unerlässlich. Wie Untersuchungen zeigen, werden 95 % der Umweltreize über die Augen aufgenommen. Aus dieser Zahl wird ersichtlich, wie wichtig die visuelle Wahrnehmung ist, um bestimmte Situationen erfolgreich zu lösen. Auch für die Reaktionsfähigkeit ist die visuelle Wahrnehmung ein entscheidender Faktor. Die Erkenntnis daraus: Je besser ein Torhüter die Situation wahrnimmt, umso schneller kann er reagieren.

    Aufmerksamkeit / Konzentration

    Konzentration heißt „geistige Sammlung“, „Zentrierung des Geschehens“. Sie ist die Fähigkeit, für eine gewisse Zeit die ganze Aufmerksamkeit auf eine Sache oder ein Ziel zu lenken. Konzentration lässt sich vergleichen mit einem Scheinwerferlicht, das beliebig auf unterschiedliche Punkte gerichtet werden kann. Der Torhüter muss seine Aufmerksamkeit auf das Wesentliche ausrichten und in der Lage sein, Störfaktoren wie den Geräuschpegel, Zurufe durch die Zuschauer, eigene Ängste oder andere widrige Umstände wie schlechtes Wetter auszuschalten. Bundestorwarttrainer Andy Köpke bestätigt: „Ich muss immer total aufmerksam sein, ich muss ständig die Position verändern, vertikal wie horizontal. Das Spiel ist so viel schneller geworden.“ Deshalb ist die Konzentrationsfähigkeit eine wichtige psychologische Anforderung im Leistungssport. Schon ein kurzer Konzentrationsverlust kann die Leistung stark beeinträchtigen.

    Wenn es dem Torhüter gelingt, Konzentration mit richtiger Intensität über längere Zeit auf das Wesentliche zu richten, spricht man von einem FLOW-Zustand. Die Sportpsychologie versteht darunter einen Bewusstseinszustand, in dem der Torhüter völlig in der momentanen Tätigkeit aufgeht, ohne andere Gedanken und Gefühle zu haben. Oliver Kahn prägte dafür den Begriff „Tunnelblick“. Die ganze Aufmerksamkeit ist auf eine bestimmte Spielsituation gerichtet. Der Torhüter nimmt ansonsten nicht mehr wahr, was um ihn herum passiert. Diese Fähigkeit ist im Leistungssport ein entscheidender Erfolgsfaktor!

    Fazit

    Die drei angesprochenen kognitiven Fähigkeiten Antizipation, Wahrnehmung und Konzentration lassen sich nur bedingt voneinander trennen, meist ist es ein Zusammenspiel zwischen mindestens zwei Faktoren, um eine Situation erfolgreich zu lösen. So ist z.B. für eine gute Wahrnehmung eine gute Konzentrationsfähigkeit die Grundlage, oder bedingt eine gute Antizipation eine ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit. Eines ist jedoch sicher: Eine gute Seh- und Wahrnehmungsleistung sowie hohe Aufmerksamkeit sind für gute Torhüterleistungen grundlegende Voraussetzungen!

    Goalguard wird euch in nächster Zeit Übungen vorstellen, mit denen kognitiven Fähigkeiten geschult werden können.

    Training

    Artur Stopper

    Artur Stopper

    Über den Autor

    Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

  • „Das Gehirn ist der Chef des Körpers“ lautet eine Überschrift im neu erschienenen Buch „Training beginnt im Kopf“ von Lars Lienhard, einem der führenden deutschen Experten auf dem Gebiet der Neuroathletik. In der Wissenschaft setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass das Gehirn und das Nervensystem sportliche Leistungen entscheidend bestimmen. Nichts passiert, ohne dass das Gehirn die Aktion veranlasst hat. Jede Aktion geht also vom Gehirn aus. Das Gehirn empfängt Signale von den Sinnesorganen (sensorischer Input), verarbeitet diese blitzschnell (Integration) und setzt sie dann in eine Bewegung um (motorischer Output). Je besser und hochwertiger das Gehirn Informationen aufnimmt und verarbeitet, umso schneller kann es die Informationen in eine präzise, dynamische und koordinierte Bewegung umsetzen. In anderen Worten: Je schneller die Verarbeitung von Informationen im Gehirn abläuft, umso besser und schneller kann der Torhüter die gestellte Aufgabe lösen!

    Unser Mitarbeiter Simon Panter, Torwarttrainer beim Frauen-Bundesligisten SC Sand und unter Bundestrainerin Steffi Jones Torwarttrainer der Frauen-Nationalmannschaft, befasst sich bereits schon länger mit der Frage, wie man kognitives Training sinnvoll ins Torwarttraining einbauen kann. Besonderen Wert legt er bei seinen Übungen auf die Schulung der Wahrnehmung und Konzentrationsfähigkeit, der Augen-Hand-Koordination sowie der Gleichgewichtsfähigkeit. Anhand von acht Level zeigt er auf, wie die Anforderungen an den Torhüter durch veränderte Aufgabenstellungen immer angepasst oder erhöht werden können.

    Die Übungen führte Simon mit der 116-fachen kanadischen Nationaltorhüterin Erin McLeod durch.

    Die Torhüterin kniet auf je einem Balancepad und versucht, während der Übung den Körper so auszubalancieren, dass sie den Boden mit den Füßen möglichst nicht berührt. Der Trainer wirft einen Ball auf die rechte oder linke Körperhälfte der Torhüterin und ruft gleichzeitig eine Farbe auf (z.B. „rot“). Die Torhüterin muss den Ball mit der richtigen Hand fangen, d.h. mit der Hand auf der entsprechenden Körperhälfte. Anschließend legt sie den Ball im umgedrehten Markierungsteller mit der vom Trainer aufgerufenen Farbe ab.

    Level 2 hat denselben Übungsablauf wie Level 1. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Torhüterin nur noch mit einem Knie auf dem Balancepad ist. Dadurch wird es für die Torhüterin schwieriger, die Körpermitte und die Balance aufrecht zu erhalten.

    Bei Level 3 befindet sich die Torhüterin wieder auf zwei Balancepads. Die Aufgabe besteht wieder in der akustische Wahrnehmung. Der TR wirft den Ball auf eine Körperhälfte der Torhüterin. Der rechten Körperhälfte werden gerade, der linken ungerade Zahlen zugewiesen. Der Trainer ruft eine Zahl und eine Farbe, z.B. „3 rot“. Aufgabe der Torhüterin ist es, zunächst anhand der aufgerufenen Zahl (z.B. 3 > ungerade Zahl > linke Hand) zu erkennen, mit welcher Hand der Ball gefangen werden soll. Anschließend legt sie den Ball (z.B. „rot“) auf den roten Markierungsteller und hält dabei möglichst das Gleichgewicht.

    Die Aufgabenstellung bei Level 4 ist dieselbe wie bei Level 3. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Torhüterin mit einem Knie auf dem Balancepad kniet und sich dadurch unter erschwerten Bedingungen ausbalancieren muss.

    Bei dieser Übung mit Fitlights steht die Torhüterin in aufrechter Position, den Oberkörper leicht nach vorne gebeugt. Vor der Torhüterin stehen vier Stangen, an denen auf halber Höhe jeweils ein Fitlight angebracht ist. Der Trainer steht hinter den Stangen im Abstand von ca. 4 m zur Torhüterin. Wenn der Trainer der Torhüterin einen Ball zuwirft, ruft er gleichzeitig eine Farbe auf, z.B. „rot“. Die Torhüterin muss beim Fangen aus dem peripheren Blickfeld erkennen, welches Fitlight in diesem Moment die Farbe „rot“ anzeigt und den Ball zu Füßen dieser Stange im Feld ablegen. Da sich die Farbe der Fitlights an den Stangen ständig ändert, muss sich die Torhüterin also bei jedem Zuwurf neu orientieren.

    Bei Level 6 geht es um die visuelle Wahrnehmung und Signalverarbeitung. Die Torhüterin steht wieder in aufrechter Position, der Oberkörper ist leicht nach vorne gebeugt. Vor dem Trainer liegen Markierungsteller in vier verschiedenen Farben. Während der Trainer der Torhüterin den Ball zuwirft, tritt er auf einen der Markierungsteller. Die Torhüterin nimmt die Farbe dieses angetippten Markierungstellers wahr und beobachtet zugleich im peripheren Blickfeld, welches Fitlight diese Farbe aufzeigt. In diesem Feld legt sie dann den Ball ab.

    Die Torhüterin befindet sich wieder in derselben Ausgangssituation wie in den beiden Übungen zuvor. Der Unterschied bei Level 7 zu den anderen Übungen besteht darin, dass der Trainer mit einem kurzen Tritt auf den jeweiligen Markierungsteller (z.B. auf „grün“) anzeigt, in welches Feld der Tennisball abgelegt werden soll. Wo sich das grüne Feld gerade befindet, zeigt die Farbe der Fitlights an. Anders verhält es sich, wenn der Trainer im Anschluss an den Wurf die Hand hebt. Dieses Zeichen bedeutet, dass die Torhüterin in diesem Fall die Fitlights außer Acht lässt und den Ball (hier „grün“) im grünen Feld von Markierungstellern am Boden ablegen muss. Wenn der Trainer die Hand nicht anhebt, ist die Torhüterin auf die oberen Lichter fixiert. Wenn er die Hand hebt, orientiert sich die Torhüterin an der Farbe der Markierungsteller.

    Der Level 8 hat denselben Übungsablauf wie Level 7. Die zusätzliche Aufgabe und Herausforderung besteht darin, dass die Torhüterin einen Schritt in Richtung des Feldes macht, wo sie den Ball ablegen will. Dadurch wird zusätzlich der richtige Auftaktschritt geschult.

    Training

    Artur Stopper

    Artur Stopper

    Über den Autor

    Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

  • Das Spieltempo im Fußball hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Beim Confed Cup im Jahr 2006 lagen die durchschnittlichen Kontaktzeiten noch deutlich über zwei Sekunden, während sie bei der Weltmeisterschaft 2014 in der Regel bereits unter einer Sekunde lagen. Diese Zahlen belegen, dass Spieler und auch Torhüter im modernen Fußball immer schneller handeln müssen. Eine Verbesserung der Handlungsschnelligkeit ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Ein geeignetes Hilfsmittel, mit der die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit des Torhüters verbessert werden kann, ist die Vororientierung.

    Vororientierung bei Rückpässen und der Spieleröffnung

    Zum modernen Torwartspiel gehört inzwischen, dass der Torhüter von seinen Mitspielern mit einem Rückpass angespielt werden kann. Um diesen Rückpass optimal zu verarbeiten, muss der Torhüter schon vor dem Rückpass den Kopf oben haben und am besten schon vor dem Zuspiel und dem ersten Ballkontakt erkennen, welche Optionen er hat, den Ball weiterzuleiten. Dazu muss er zuvor sein Umfeld „scannen“ und erfassen: Wo befindet sich der Ball? Wo stehen Mitspieler? Und wo die Gegenspieler? Nur so kann er vorausahnen, welche gegnerische Spieler Druck auf ihn ausüben oder welche Mitspieler er in der jeweiligen Situation anspielbereit sind. Im optimalen Fall sollte der Torhüter sollte also bereits vor dem eigenen Ballbesitz eine Option bzw. Lösung parat haben, wie er eine Spielsituation lösen kann, weil er die Positionen der gegnerischen und eigenen Spieler wahrgenommen und dadurch seine Entscheidungsfähigkeit verbessert hat.

    Vororientierung bei Querpassverteidigung

    Ein weiteres geeignetes Beispiel, wie eine gute Vororientierung dem Torhüter bei der Entscheidungsfindung hilft, ist die Querpassverteidigung. Wenn sich ein gegnerischer Spieler auf der Außenposition durchsetzen kann, besteht höchste Gefahrenstufe vor dem Tor. Er kann den Ball als Querpass durch den 5-m-Raum oder als Rückpass auf einen heranstürmenden Gegner in den Rückraum zwischen der 5 und 16-m-Linie passen. Um überhaupt zu erkennen, welche Optionen der Angreifer hat, muss der Torhüter bereits vor dem Pass wahrnehmen, wie Mit- und Gegenspieler vor dem Tor positioniert sind. Nur mit diesen Vorinformationen ist der Torhüter in der Lage, die bestmögliche Entscheidung zu treffen und seine optimale Grundposition einzunehmen, um einen Torerfolg zu verhindern.

    Verbesserungspotential durch frühzeitiges Wahrnehmen

    Bundestrainer Joachim Löw ist davon überzeugt, dass in der frühzeitigen Wahrnehmung von Vorgängen auf dem Platz noch viel Verbesserungspotenzial liegt. Und Urs Siegenthaler, der Schweizer Vordenker in Diensten des DFB, ergänzt: „Die Vororientierung bestimmt die Wahrnehmung. Und die Wahrnehmung zeigt Ihnen Lösungen auf dem Platz auf. Wir brauchen in der Vororientierung überragend gut geschulte Spieler, dann ist eine nächste Entwicklungsstufe im Fußball möglich.“ Da die Entscheidungsprozesse des Torhüters überwiegend auf der kognitiven Ebene ablaufen, sind eine gute Wahrnehmung sowie die Verarbeitung akustischer und visueller Signale Grundvoraussetzungen, Situationen erfolgreich zu lösen. Durch die Vororientierung, also dem Vorausdenken in unterschiedlichen Richtungen vor der Handlungsumsetzung, ist der Torhüter einen Schritt voraus und kann mit einer gut ausgebildeten Wahrnehmung und dem vorhandenen Wissen situationsgerecht die richtige Lösung finden. Wir zeigen euch in nächster Zeit Möglichkeiten, wie ihr die Vororientierung bei Torhütern schulen und verbessern könnt.

    Torwartspiel

    Artur Stopper

    Artur Stopper

    Über den Autor

    Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

  • Eine gute Vororientierung ist nicht nur für Feldspieler, sondern auch für Torhüter eine wichtige Voraussetzung, um bestimmte Spielsituationen frühzeitig zu erkennen und somit richtig zu agieren. Schon bevor eine bestimmte Spielsituation eintritt, soll der Torhüter bereits verschiedene Informationen aufnehmen, um dann die Situation optimal lösen zu können. Dazu muss er bereits vor der eigentlichen Aktion wahrnehmen, wie viele Gegner sich im gefährlichen Bereich vor dem Tor befinden, wie sich Mit- und Gegenspieler verhalten, aus welchem Winkel der Ballführende auf den Torhüter zukommt, ob der gegnerische Stürmer Optionen zu einem Querpass hat oder eher den Torabschluss bevorzugen könnte. Nur mit diesen Vorinformationen ist der Torhüter in der Lage, die richtige Entscheidung zu treffen und seine optimale Grundposition einzunehmen, um einen Torerfolg zu verhindern.

    Simon Panter, der seit 2011 die Torhüterinnen des Frauen-Bundesligisten SC Sand trainiert und während der Trainerzeit von Bundestrainerin Steffi Jones für die Torhüterinnen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft zuständig war, hat sich mit diesem Thema und der praktischen Umsetzung bei Torhütern beschäftigt. In einem Vortrag mit dem Titel „Die Vororientierung des Torhüters bei Flanken“ stellte er beim Torwarttrainer-Seminar 2017 in Bregenz anhand verschiedener Übungen dar, wie Torhüter dazu angeleitet werden können, sich nicht nur auf den Flankengeber von außen zu konzentrieren, sondern auch wahrzunehmen, was unmittelbar vor seinem Tor passiert. Denn von dort droht meist die eigentliche Torgefahr. Als Hilfsmittel setzte er dazu optischen Signale wie Markierungsteller oder Kärtchen ein. Die Aufgabe der Torhüter war, in einer gefahrlosen Situation – zum Beispiel wenn der Flankengeber den Ball etwas weiter vorlegte - kurz den Blick vom Ballführenden zu lösen und die Farbe des Markierungstellers zu rufen, den der Trainer in der Strafraummitte hochhielt. Im Spiel ist dieses Verhalten absolut notwendig, denn nur wenn der Torhüter möglichst viele Informationen zur Situation im Strafraum aufnimmt, kann er seine Mitspieler bestmöglich coachen und für sich die richtete Entscheidung treffen. Eine gute Vororientierung ist also die Grundlage, eine Situation optimal zu lösen.

    Bei den Übungsformen von Simon Panter in dem anschließenden kurzen Video könnt ihr erkennen, dass der Torhüter zur seiner Vororientierung Momente nutzt, wenn der gegnerische Spieler den Ball vorlegt oder noch einmal vom Tor abdreht. In diesen Momenten kann der Torhüter kurz den Blick vom Ballführenden abwenden. Indem der Trainer einen Markierungsteller oder ein Kärtchen in einer bestimmten Farbe, die der Torhüter laut rufen muss, hochhält, zwingt der Trainer den Torhüter zum Blick vor das Tor. So lernt der Torhüter die Informationen über die visuelle Wahrnehmung aufzuznehmen, die er für eine erfolgreiche Lösung der Situation benötigt.

    Torwartspiel

    Artur Stopper

    Artur Stopper

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    Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

  • Ein gegnerischer Mittelfeldspieler hat den Ball erobert. Er erkennt, dass sich ein Mitspieler in Bewegung setzt und spielt den Ball in der Tiefe des Raumes hinter die Abwehr. In Sekundenschnelle muss der Torhüter die Spielsituation erfassen: Mit wie viel Druck ist der Ball gespielt? Kann ich den Ball im Sprint vor dem gegnerischen Angreifer erreichen? Läuft ein weiterer gegnerischer Angreifer mit und könnte sich zum Querpass anbieten? Wie verhalten sich die eigenen Abwehrspieler? Können sie noch klärend eingreifen? Aufgrund dieser visuellen Wahrnehmungen muss er entscheiden, welche Aktion oder Position er wählen soll, um ein Gegentor zu verhindern.

    Diese Spielsituation macht deutlich, wie viele Informationen ein Torhüter zuvor aufnehmen und verarbeiten muss, um die richtige Entscheidung in dieser Spielsituation treffen zu können. Deshalb legt die Sportwissenschaft vermehrt ihr Augenmerk auf das Training des kognitiven Bereichs. Denn eines ist klar: Je genauer, vielfältiger, selektiver und schneller ein Torhüter die Situation erfassen kann, desto schneller und richtiger wird seine Entscheidung ausfallen. In seinem Buch „Training beginnt im Gehirn“ drückt es Lars Lienhard, einer der führenden deutschen Experten im Bereich Neuroathletik, so aus: „Wie präzise, kräftig, dynamisch und koordiniert eine Bewegung erfolgt, ist das Endresultat aller Informationen, die im Gehirn ankommen, und ihre Verarbeitung dort. Unsere Leistungsfähigkeit ist immer davon abhängig, wie sich das Gehirn aufgrund des aktuellen Datenlage entscheidet.“

    Für Torwarttrainer steht nun die Frage im Raum, wie man die kognitiven Fähigkeiten im Torwarttraining überhaupt und vor allem effizient trainieren kann. Einer, der sich schon seit längerem mit der Umsetzung dieses Trainingsinhalts im Torwarttraining beschäftigt, ist Simon Panter vom französischen Erstligisten Racing Club de Straßburg. Beim Torwarttrainer-Seminar in Bregenz, das von Safehands I the art of goalkeeping im Oktober dieses Jahres in Bregenz veranstaltet wurde, gab der 36-Jährige Einblicke in seine Arbeit. Als Hilfsmittel zur Schulung des Gehirns verwendete er Fitlights und die Strobobrille mit dem Ziel, das periphere Blickfeld zu erweitern, die komplexe Spielsituation schnell zu erfassen und die richtige Entscheidung zu treffen. Außerdem verpackte er Zusatzaufgaben in Übungen, die schnelles Wahrnehmen und Agieren z.B. durch Anschlussaktionen oder Farbvorgaben auslösten.

    Goalguard gibt euch einen Einblick in Simons Arbeitsweise. Wir zeigen euch Übungen, die er beim Torwarttrainer-Seminar im Oktober 2019 in Bregenz vorstellte, und machen euch mit einigen weiteren Übungen, die bereits von ihm auf unserer Webseite veröffentlicht sind, mit seinen Trainingsmethoden zum kognitiven Training vertraut. Die Gehirnforschung ist sich inzwischen sicher: Durch eine verbesserte Kommunikation zwischen Geist und Körper kann das Leistungsvermögen eines Torhüters deutlich verbessert werden! Deshalb gewinnen Übungen zum kognitiven Training im modernen Torwarttraining immer mehr Raum.

    Artur Stopper

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    Über den Autor

    Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

  • Untersuchungen zeigen, dass Fußballspiele immer schneller ablaufen. Während 2005 deutsche Nationalspieler durchschnittliche Ballkontaktzeiten von 2,8 Sekunden hatten, erreichen sie mittlerweile Werte um 0,9 Sekunden. Die Folge ist, dass die Spieler Entscheidungen in immer kürzerer Zeit treffen müssen. Um ihre Handlungsschnelligkeit und ihr Entscheidungsverhalten zu verbessern, müssen sie Veränderungen in ihrer Umgebung wie die ständig wechselnden Positionierungen der Mitspieler, Gegenspieler und des Balles immer schneller wahrnehmen. Die Beschleunigung des Spiels trifft auch auf die Position des Torhüters zu. Auch er muss in immer kürzerer Zeit Positionsveränderungen von Feldspielern in Tornähe erkennen und sein Verhalten darauf einstellen.

    Erschwerend kommt hinzu, dass in einem Spiel keine Situation der anderen ähnlich ist, weshalb Feldspieler wie Torhüter heute schnelle und situativ angepasste Entscheidungen auf unerwartete Situationen treffen müssen. Eine gute Vororientierung sowie gut ausgebildetes peripheres Sehen sind wichtige Grundlagen, in einer bestimmten Spielsituation die richtige Entscheidung zu treffen.

    Peripheres Sehen – Was ist das eigentlich?

    Das menschliche Auge hat nur ein begrenztes Wahrnehmungsfeld. Besonders beengt ist das vertikale Gesichtsfeld des Menschen. Von oben nach unten nimmt der Mensch bei fixierten Augen nur Dinge wahr, die in einem ungefähren Winkel von 130 Grad liegen. Auch aus horizontalem Blickwinkel sieht der Mensch nur in einem Winkel bis zu 200 Grad. Sobald ein Mensch den Blick bewusst auf einen bestimmten Gegenstand richtet, fokussiert sich das Auge automatisch auf diesen Punkt und stellt ihn scharf. Gleichzeitig scannt das Auge aber unbewusst auch weiterhin das Seitenblickfeld. Diesen seitlichen Blickwinkel bezeichnet man als peripheres Sehen.

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    Analyse

    Artur Stopper

    Artur Stopper

    Über den Autor

    Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

  • Das Auge spielt mit 90 % bei der menschlichen Wahrnehmung eine entscheidende Rolle. Unser Sehorgan nimmt verschiedene Reize aus der Umgebung auf, die, nachdem sie von unserem Gehirn selektiert und verarbeitet wurden, als Grundlage für unsere Entscheidungen dienen.

    Wie visuelle Wahrnehmung im Torwartspiel funktioniert, lässt sich an der Spielsituation erklären, wenn nach dem Rückpass eines Mitspielers der Torhüter den Ball möglicherweise unter dem Druck des Gegners bestmöglich verarbeiten muss. Dem Auge werden in dieser Situation verschiedene Fähigkeiten abverlangt, es muss gleichzeitig Unterschiedliches wahrnehmen: Es muss den heranfliegenden Ball fokussieren, die Geschwindigkeit und den Abstand des Balles zum Torhüter ermitteln, muss aber gleichzeitig in der Umgebung die Positionierung der Mit- und Gegenspieler mit Hilfe der peripheren Wahrnehmung erkennen. Alle diese Informationen benötigt der Torhüter, um auf die Spielsituation adäquat zu reagieren. Eine gute Sehschärfe, Tiefenwahrnehmung, ein gutes Bewegungssehen und peripheres Sehen sind also die Voraussetzungen für richtiges Handeln.

    Durch die kontinuierlich gesteigerte Komplexität des Torwartspiels in den vergangenen Jahren gewinnt die Wahrnehmungsfähigkeit zunehmend an Bedeutung, denn Torhüter müssen Situationen unter höchstem Zeit- und Gegnerdruck wahrnehmen, eine Entscheidung treffen und schließlich die gewählte Aktion ausführen. Der Erfolg einer Situation hängt also maßgeblich von der visuellen Wahrnehmung ab. Doch wie kann man diese Fähigkeit im Torwarttraining trainieren?

    Simon Panter, Torwarttrainer beim französischen Erstligisten Racing Straßburg, hat an den Torwarttagen von "Safehands – the art of goalkeeping“ in Bregenz Übungen vorgestellt, wie diese Fähigkeit mit Hilfe von Lichtsignalen entwickelt und geschult werden kann.

    Was funktionieren die Lichtsignale?

    Der Einsatz von Lichtsignalen eignet sich dazu, die Augen-Körper-Koordination, das periphere Sehen, die Reaktionsfähigkeit, die Schnelligkeit oder die Laufkoordination zu trainieren. Sie bestehen aus Lichtern mit Sensoren, die über ein Tablet per Funk gesteuert werden. Die Einsatzmöglichkeiten sind verschieden. Das aufblinkende Lichtsignal kann durch die Berührung per Fuß oder Hand ausgeschaltet werden. Dieser Einsatzmöglichkeit eignet sich vor allem für koordinative Übungen oder zur Schulung der Reaktion. Simon Panter setzte die Lichtsignale zur Schulung der Wahrnehmung bei Rückpässen ein. Dazu brachte er jeweils ein Lichtsignal an jedem Airbody an. Das Tablet programmierte er so, dass das Lichtsignal wechselweise in der Farbe Rot oder Grün aufblinkte.

    So trainiert Simon Panter visuelle Wahrnehmung!

    Um die visuelle Wahrnehmung des Torhüters zu trainieren, baute Simon neben den AIRBODYS, die im Abstand von ca. 18 m vor dem Tor standen, zu beiden Seiten zwei Kleintore als Zielzone auf. Position der AIRBODYS sollte die Position der Innenverteidiger verkörpern, um so die Situation so spielnah als möglich nachzustellen. Simon selbst war als Zuspieler in Richtung Seitenauslinie postiert.

    Übung 1

    Auf Simons Zuspiel hin musste der Torhüter zunächst „scannen“, an welchem Airbody die Farbe Grün aufleuchtete, und anschließend den Ball unter Zeitdruck (laut zählend: einundzwanzig, zweiundzwanzig..) in das von den Lichtsignalen vorgegebene Tor passen.

    Übung 2

    In einem nächsten Schritt passte der Torhüter vor Simons Zuspiel den Abstand zum gegnerischen Spieler an, d.h. der Torhüter setzte sich wie im Spiel nach hinten ab, um so dem möglichen Druck des gegnerischen Angreifers auszuweichen. Dann passte er den Ball in das Tor, dessen Lichtsignal Grün aufleuchtete.

    Übung 3

    In einem letzten Schritt passte der Torhüter zunächst seine Position wieder dem Gegner an. Der Gegner wartete den ersten Kontakt des Torhüters ab und versuchte dann, den Pass des Torhüters ins Kleintor mit Händen oder Füßen abzufangen. Der Hintergedanke dabei: Der Torhüter sollte nur mit einem guten ersten Kontakt und einem schnellen, präzisen Pass erfolgreich sein.

    Trainingshilfen

    Artur Stopper

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    Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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