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Technische Abläufe bei Torhütern haben sich in den letzten Jahrzehnten weltweit immer mehr angenähert. Neben vielen Übereinstimmungen gibt es aber immer wieder auch Situationen, in denen sich die technischen Abläufe der Torhüter unterscheiden und sie Spielsituationen unterschiedlich lösen. Einen solchen Unterschied ließ sich im Spiel Schweiz gegen Wales und im Spiel Türkei gegen Italien bei den Torhütern Yann Sommer (Schweiz) und Ugurcan Cakir (Türkei) beobachten.

Szene 1: Spiel Schweiz gegen Wales

15. Minute: Der Waliser Stürmer Moore schraubt sich nach einer Flanke von James von links in die Luft und platziert der Ball per Kopf hoch aufs linke Toreck. Der Schweizer Schlussmann Sommer muss sich mächtig strecken und lenkt das Leder mit der rechten Hand über die Latte.

Szene 2: Türkei gegen Italien

22. Minute: Der italienische Innenverteidiger Giorgio Chiellini kommt nach einer Ecke zum Kopfball, den er gut drückt, aber nicht perfekt platziert. Der türkische Schlussmann Cakir greift über und lenkt den Ball mit einer starken Parade über die Latte.

Die beide Szenen ähneln sich. In beiden Spielsituationen kommt ein gegnerischer Spieler aus einer Entfernung von 7 bis 10 m zum Kopfball und köpft den Ball seitlich neben dem Keeper unter die Querlatte. Beide Torhüter drücken sich aus der Grundstellung heraus explosiv zum Ball ab. Den Rest lösen die beiden beteiligten Keeper aber unterschiedlich. Während Cakir beim Absprung mit dem linken Bein mit dem rechten Arm übergreift und mit den Fingerspitzen den Ball über die Querlatte lenkt, lenkt Yann Sommer den Ball mit der ballnahen, offenen Hand (siehe Grafik) über die Querstange.

Übergreifen

Welche Technik ist sinnvoller?

Um es vorwegzunehmen: Für mich gibt es nicht richtig oder falsch, jede der beiden Techniken hat ihre Vor- und Nachteile. Früher galt die Regel, dass der Torhüter übergreift, wenn sich der Ball überkopf befindet. Yann Sommer widerlegt in unserem Beispiel diese These. Der Vorteil seiner Technik ist sicherlich, dass er auf diese Weise den kürzesten Weg zum Ball wählt und dadurch schneller reagieren kann. Außerdem kommt er so in eine gerade Körperstreckung, wodurch die Körperlänge optimal genutzt wird.

Beim Übergreifen hingegen wird die ballentfernte Hand zum Ball geführt und hat damit einen längeren Weg. Manche Torhüter bringen sich beim Übergreifen zudem in eine leichte Bogenhaltung, die ihm in der Aktion die optimale Körperstreckung und damit die Länge nimmt. Befindet sich der Torhüter aber in der Flugphase, kann er beim Übergreifen aus einer ruhigen Körperlage heraus den Ball sicher über die Querlatte lenken.

Claus Reitmaier, der 335 Bundesligaspiele im deutschen Oberhaus absolvierte, formulierte es einmal so: "Wenn der Ball lang in der Luft ist, muss man übergreifen. Muss es schnell gehen, dann nicht." Für ihn ist die Wahl der richtigen Abwehrtechnik also eine Frage der Distanz. Vielleicht lässt sich die Diskussion über die richtige Technik auf eine einfache Regel herunterbrechen: Wähle die Hand, bei der du das Gefühl hast, schneller oder näher am Ball zu sein oder du dich sicherer fühlst. Denn jeder Torhüter hat oft eine stärkere Absprungseite und eine schnellere Handbewegung auf einer Seite, was die Wahl der Hand zusätzlich beeinflusst. Deshalb muss der Torhüter grundsätzlich beide Techniken beherrschen.

Markus Krauss, Torwarttrainer der U19 des Bundesligisten VfB Stuttgart, zeigt euch in der folgenden Übung, wie beiden Techniken im Training geschult werden können.

Torwartspiel

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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