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Wenn das Ergebnis eines Spiels zur völligen Nebensache wird, sind die Gründe dafür meistens schlimm. So war es auch im Februar bei der Partie zwischen Belenenses AD und dem FC Porto in der portugiesischen Liga NOS. In der Schlussphase des Spiels musste Portos Nanu mit dem Krankenwagen vom Feld abtransportiert werden, nachdem er bei einem bösen Zusammenprall mit dem gegnerischen Torhüter Stanislav Kritsyuk heftig am Kopf getroffen worden war. Daraufhin blieb er bewusstlos am Boden liegen. Mehrere Spieler beider Mannschaften riefen sofort nach Hilfe. Nach langer Unterbrechung fuhr ein Krankenwagen auf dem Feld vor und transportierte den verletzten Spieler ab.

Solche Situationen wiederholen sich zum Glück nicht oft. Trotzdem sind Verletzungen in einem Fußballspiel im Kampf um den Ball nicht auszuschließen. In der beschriebenen Szene wurde der Feldspieler verletzt. Oft genug sind es aber Torhüter, die bei einem solchen Zusammenprall von schweren Verletzungen betroffen sind. „Fußball ist ein Kontaktsport", erklärt der Sportmediziner Lars Lienhard, und da passieren oft Unfälle im Zweikampf. Auch beim Torhüter kommen aber zahlreiche Verletzungen hinzu, die ohne Fremdeinwirkung geschehen. Wir haben uns mit der Frage beschäftigt, in welchen Situationen dem Torhüter Verletzungsgefahr droht.

Es gibt verschiedene Situationen, in den der Torhüter einer Verletzungsgefahr ausgesetzt ist.

a) Bei Schüssen

Finger- oder Handverletzungen gehören zu den ständigen Begleitern eines Torhüters und sind ein echtes Torhüterproblem. 40 Prozent aller Handbrüche in den vergangenen fünf Jahren erlitten Torhüter. Untersuchungen zeigen, dass ein Fußball bei richtiger Fuß- und Körperhaltung einen Speed von 150 bis 200 km/h erreichen kann, selbstverständlich nur im Spitzenbereich. Aber auch Fluggeschwindigkeiten um die 100 km/h sind schon beträchtlich. Deshalb ist die Gefahr groß, dass der Torhüter Finger und Hände verletzen kann, wenn der Ball mit dieser Wucht auf Hände oder Finger trifft, zumal wenn die Fingerstellung nicht technisch sauber ist. Deshalb gehören Verstauchungen, Verrenkungen und Frakturen der Finger und auch der Hände zu den häufigen Verletzungen bei Torhütern. Viele Torhüter tapen vor dem Spiel oder Training vor allem einzelne Finger, um sie besser zu schützen. Manche Handschuhhersteller bieten auch Torwarthandschuhe an, in die ein spezielles Fingerschutzsystem integriert ist. Umstritten ist allerdings, ob dieses Fingersave-System wirklich als Schutz taugt oder eher das Ballgefühl des Torhüters negativ beeinträchtigt, was erst zu Verletzungen führen kann.

Neben Händen und Fingern ist aber auch das Gesicht des Keepers einer Verletzungsgefahr ausgesetzt, wenn z. B. ein gegnerischer Spieler einen Schuss aus nächster Nähe abfeuert. Augen- und Nasenverletzungen können die Folge sein. Neben dem Ball können aber auch die Finger, Hände und Ellbogen der Gegenspieler das Gesicht des Torhüters treffen und Augenverletzungen verursachen.

b) Verletzungen nach schnellen Antritten oder Drehungen

Auch muskuläre Verletzungen treten manchmal bei Torhütern auf. Ein Torwart muss sich oft blitzschnell drehen und dabei seinen Körper in eine andere Richtung bewegen. Bei dieser Rotationsbewegung kann es passieren, dass die Stollen oder Nocken der Fußballschuhe dabei am Boden hängen bleiben und Bänder- und Gelenkverletzungen in den Knien und im Sprunggelenk nach sich ziehen. Sprunggelenks- und Knieverletzungen treten bei Torhütern häufig auf.

Aber auch explosive Bewegungen können Ausgangspunkt für eine Verletzung sein, wenn Sprung- und Schnellkraft gefordert ist. Denn der Bänder- und Sehnenapparat ist dabei extremen Belastungen ausgesetzt.

c) Verletzungen beim Aufprall auf dem Boden

Torhüter können sich aber auch durch den bloßen Aufprall auf dem Boden verletzen, etwa bei gewagten Paraden oder Kollisionen mit dem Torpfosten. Schädelprellungen oder andere Verletzungen sind oft die Folge.

d) Kollisionen mit anderen Spielern

Besonders Gefahr droht Torhütern, wenn es zu Kollisionen mit Gegen- oder Mitspielern kommt. Das kann z.B. im 1gegen1 passieren, wenn ein Spieler in hohem Tempo auf den Torhüter zuläuft und sich dem heranstürmenden Angreifer vor die Füße wirft, um den Ball kurz vor dem einschussbereiten Gegner zu erobern oder den Schuss zu blocken.

Aber auch in bedrängten Situationen wie bei Eckbällen oder Freistößen kann es im Kampf um den Ball zu Kollisionen mit Gegenspielern oder Mitspielern kommen. Wenn der Ball z.B. bei einem Freistoß in Richtung Tor geschlagen wird, braucht es viel Mut und Risikobereitschaft, sich in entgegengesetzter Richtung auf die heranstürmenden Feldspieler zuzubewegen. Der Torhüter muss in dieser Situation die Gefahr eines Zusammenstoßes bewusst eingehen, um einen Torerfolg der gegnerischen Mannschaft zu verhindern. Häufig auftretende Schädigungen wie Schulter- (20,9 %) und Kopfverletzungen (20 %) sind oftmals die Folge dieser Kollisionen.

Aber nicht nur im Luftkampf selbst lauern für den Torhüter Gefahren, sondern auch bei der Landung, wenn er möglicherweise ohne jeglichen Schutz für Hände und Arme auf dem Boden aufkommt. Prellungen, Schürfwunden und andere Verletzungen dieser Art können die Folge sein. Zudem kann der Torhüter beim Bodenkontakt auf dem Fuß eines anderen Spielers landen und dabei mit dem Fuß umknicken.

Man sieht: Die Verletzungsgefahr für den Spieler mit der Rückennummer eins ist allgegenwärtig. Neben den vielfältigen Bewegungsformen, die die Muskeln, Sehnen und Bänder beanspruchen, sind es vor allem halsbrecherischen Aktionen, die immer wieder auch zu schweren Verletzungen bei Torhütern führen. Körperkontakt und Zweikämpfe sind aber Teil des Fußballspiels, denen sich auch der Torhüter nicht entziehen kann. Manchmal braucht er in seinen waghalsigen Aktionen einfach das Glück, seine Risikobereitschaft unverletzt zu überstehen, denn die Bereitschaft zum Risiko ist ein fester Bestandteil des Torwartspiels.

Torwartspiel

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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