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Das Problem ist jedem Torwarttrainer bekannt, nämlich wie er seine Schützlinge neben dem Techniktraining auch athletisch auf die Herausforderungen des Spiels vorbereiten soll. Schon häufig wurde Claudio Filippi, seit Jahren für das Training der Profi-Torhüter bei Juventus Turin zuständig, deshalb bei Vorträgen mit der Frage konfrontiert, wie man die Kraft beim Torwart trainiert bzw. wie das Krafttraining bei einem Torhüter gestaltet werden soll. Diese Frage nahm er zum Anlass, seine Arbeitsweise bei Juventus Turin in diesem Trainingsbereich einmal vorzustellen.

Den Vortrag hielt der italienische Startrainer im Rahmen eines Torwarttrainer-Seminars der Firma „safehand – the art of goalkeeping“, die bereits seit vielen Jahren herausragende Veranstaltungen für Torwarttrainer anbietet, um sich weiterzubilden oder neue Anregungen und Denkanstöße für ihre tägliche Arbeit zu bekommen. Normalerweise finden diese Seminare alljährlich im Oktober in der österreichischen Stadt Bregenz am Bodensee statt. Dieses Mal konnte die Hannover 96-Fußballschule als Partner gewonnen werden, so dass die Veranstaltung für Interessierte auch im norddeutschen Raum im wunderschönen VIP-Bereich der HDI-Arena stattfinden konnte.

Trennung von Kraft- und Techniktraining

Claudio Filippi plädiert für eine strikte Trennung von Krafttraining und Technik. Anhand des Videos eines griechischen Torwarttrainers veranschaulichte er, warum Technik und Krafttraining seiner Meinung nach isoliert trainiert werden sollen. Auf dem Video war folgender Übungsablauf zu sehen: Ein zweiter Torhüter hielt den vorderen agierenden Keeper an einem gespannten Gummiband fest. Gegen den Widerstand seines Partners parierte er vom Trainer zugeschossene Bälle. Diese Übung hält Filippi für fragwürdig, weil seiner Meinung nach der agierende Torhüter durch den Widerstand des Bandes unsaubere Bewegungsabläufe durchführt und somit fehlerhafte Techniken trainiert. Deshalb solle sich ein Trainer immer zuvor genau überlegen, welches Ziel er mit einer Übung erreichen will und dann geeignete Übungen unter diesem Kriterium auswählen.

Beim vielfachen italienischen Meister Juventus Turin gibt es jedenfalls eine klare Trennlinie zwischen physischem und technischem Torwarttraining. Für Filippi ist beim Techniktraining die Präzision die wichtigste Komponente. Technik lasse sich nur sinnvoll trainieren, wenn die Bewegungsabläufe technisch sauber und konzentriert durchgeführt werden. Deshalb sind ihm wenige, aber präzise durchgeführte Aktionen lieber als viele technisch unsauber absolvierte Wiederholungen.

Die Trennung von Krafttraining und Technikschulung zeigt sich auch in der Wahl der Trainingsorte. Bei Juventus Turin wird das technische Training immer auf dem Trainingsgelände, das Krafttraining hingegen manchmal auf dem Platz, zumeist aber im Kraftraum durchgeführt.

Notwendige körperliche Voraussetzungen bei Torhütern

Anschließend zeigte Filippi anhand von Spielsituationen, welche körperlichen Voraussetzungen ein Torwart benötigt. Zu allererst seien kräftige Beine wichtig. Ein Torhüter müsse z.B. vor einem Schuss die richtige Position in der Grundstellung über eine gewisse Zeit halten können, um dann aus dieser Position eine technisch saubere Bewegung durchzuführen. Außerdem sei es für einen Torhüter wichtig, schnell auf den Beinen sein, um sofort sein Stellungsspiel der entsprechenden Situation anzupassen.

Präventiv- und Leistungstraining

Das Training des Physis umfasst bei Juve die Bereiche Koordination, Kraft, Schnellkraft und Beweglichkeit. Des Weiteren unterscheidet Claudio Filippi zwischen Präventiv- und Leistungstraining. Die Präventivübungen sind bei Juve besonders als Vorbereitung auf das Leistungstraining sehr wichtig. Mit Hilfe von Videos zeigte er Beispiele für die beiden Krafttrainingsarten auf. Hauptbestandteil des Präventivtrainings sind isometrische Übungen, bei denen die Muskulatur über einen gewissen Zeitraum angespannt und gehalten wird. Das Präventivtraining besteht vor allem aus Stabilisationsübungen, Übungen für die Außenrotation der Schultern, die beim Torwart besonders belastet werden, sowie dem analytischen Training. Hier werden muskuläre Disbalancen erfasst und durch entsprechende Übungen ausgeglichen. Mit Hilfe dieser unterschiedlichen Präventivübungen erreichen die Torhüter eine gute Körperstabilität. In weiteren Videoclips stellte Filippi anschließend Übungen zum jeweiligen Präventivbereich vor. Für besonders wichtig hält Filippi die Stabilisation des Schulterbereichs, weil dieser im Torwartspiel stark beansprucht werde. Deshalb bezogen sich viele gezeigte Übungen speziell auf die Kräftigung dieses Körperbereiches.

Die durch Präventivübungen gewonnene Stabilität ist die Voraussetzung für das anschließende Leistungstraining. Anstelle von isometrischen Übungen werden nun explosive Aktionen durchgeführt. Mit verschiedenen Videoclips zeigte er auf, mit welchen Methoden er seine Torhüter explosiv macht.

Interessant war ein Videoclip, in dem gezeigt wurde, wie Filippi die schnelle Beinarbeit auf dem Laufband trainiert. Die Idee zu dieser Trainingsform hatte er vom spanischen Tennisstar Nadal übernommen, allerdings auf die Anforderungen des Torwartspiels angepasst. Dabei wird der Fuß nach koordinativen Vorgaben während des Laufens immer wieder kurz auf der seitlichen Begrenzung neben dem Laufband aufgesetzt.

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Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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