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Zehn Jahre „Safehands I the art of goalkeeping“ – dieser Anlass musste gebührend gefeiert werden. Und so ließ es sich die Firma MGT-Sports dem Anlass entsprechend nicht nehmen, einige der besten Torwarttrainer Deutschlands und Europas in die Vorarlberger Fußball-Akademie nach Bregenz einzuladen, um ihre Ideen zur Entwicklung des Torwartspiels oder zur Umsetzung bestimmter Trainingsinhalte im Torwarttraining darzustellen. Entsprechend groß war das Interesse an dieser Veranstaltung. 110 Teilnehmer sorgten für einen neuen Rekord bei den Anmeldungszahlen zu diesem alljährlich stattfindenden Event. Auch der Wettergott war sich wohl der Bedeutung und Qualität dieser Veranstaltung bewusst und sandte für diese Jahreszeit eher ungewöhnliche Temperaturen von 23 °C an die wunderschön am Bodensee gelegene Sportanlage.

Zu Beginn des Torwartseminars am Freitagnachmittag stellte German Vision Sports in Person von Sven Empen ihr Konzept vor. German Sportsvision ist ein Team, das von Sven Empen, einem der erfahrensten deutschen Augenoptikermeister für den Sport, geleitet wird. Empen zeigte auf, wie wichtig es für jeden Sportler und dessen Trainer ist zu wissen, welche visuellen und sensomotorischen Fähigkeiten der Sportler besitzt. Da 90 % der Wahrnehmung über das visuelle System erfolgt, spielt die Qualität der Augen für die schnelle Erfassung von Informationen zur richtigen Entscheidungsfindung eine entscheidende Rolle. German Sportsvision bietet die Möglichkeit an, mit Hilfe der ersten Sensory Station im deutschsprachigen Raum zehn verschiedene Aspekte des Auges zu vermessen und mögliche Sehschwächen gezielt mit entsprechenden Übungen in Absprache mit dem Sportler und dem Trainer zu beheben oder zu verbessern.

Im anschließenden Praxisteil veranschaulichte Simon Panter vom französischen Erstligisten Racing Straßburg in verschiedenen Übungen, wie die Wahrnehmung, die Aufmerksamkeit und die Konzentration des Torhüters mit Hilfe von Fitlights und der Strobobrille trainiert werden können.

Der Samstag startete mit einem Vortrag von Roland Goriupp, dem Leiter der Torwarttrainer-Ausbildung beim österreichischen Fußballverband. Er plädierte in seinem Referat mit dem Titel „Integration statt Isolation“ dafür, dass das Training der Torhüter mehr ins Mannschaftstraining integriert wird. Ausgehend von verschiedenen Untersuchungsergebnissen, die besagen, dass die meisten Torwartfehler inzwischen nur zu einem kleinen Teil in fehlender Technik zu suchen sind, sondern eher im Bereich falscher Entscheidungen liegen, forderte er Übungen, die spielnahe Situationen darstellen: mit Gegenspielern, Mitspielern, Körperkontakten, Zeit- und Raumdruck sowie unvorhersehbaren Entscheidungen. Torhüter seien heute durch eine weit bessere Ausbildung torwarttechnisch gut vorbereitet, die meisten Fehlerquellen könnten deshalb vor allem im taktischen Zusammenspiel mit der Mannschaft minimiert werden.

Als nächster Referent kam Claudio Filippi vom europäischen Spitzenklub Juventus Turin zu Wort. Er referierte zum Thema „Körperkontakte des Torhüters während dem Spiel“. Anhand von Untersuchungsergebnissen zeigte er auf, wie viele Kontakte ein Torhüter durchschnittlich während des Spiels mit Gegen- und Mitspieler hat. Mit Videosequenzen von verschiedenen Spielszenen machte er deutlich, in welchen Spielsituationen sich diese Körperkontakte des Torhüters ergeben. Doch wie soll ein Torhüter auf diese körperbetonten Situationen vorbereitet werden? Claudio Filippi hat zu diesem Zweck zusammen mit der Firma MGT Sport zwei Hilfsmittel entwickelt, die für das Training dieser Situationen hilfreich sind: Das Filippi-Schild und den Filippi-Push. Mit Hilfe des Filippi-Push kann man Torhüter an Kontakte mit Spielern gewöhnen und den Körperkontakt simulieren. Der Filippi-Push hat aber noch weitere Vorteile. Mit dessen Hilfe baut der Torhüter Vertrauen in sich auf, den Ball trotz Widerstand sichern zu können, weil er wiederholt diese Erfahrung im Training gemacht hat. Zudem lernt er einzuschätzen, ob der Ball über den Push hinwegfliegt oder nicht. Durch die visuelle Störung durch den Push lernt der Torhüter einzuschätzen, ob er den Ball angreifen, fangen, fausten oder sich auf die Torlinie zurückziehen muss. Außerdem verbessert er seine Reaktionsfähigkeit, weil er möglicherweise auf abgefälschte Bälle reagieren muss. Kurzum: Mit dem Filippi-Push können viele Spielsituationen vor allem in der Raumverteidigung geschult werden, die im Spiel vorkommen.

Im anschließenden Praxisteil zeigte Filippi anhand von Übungen, wie der Filippi-Push sinnvoll und auf unterschiedliche Weise zur Schulung verschiedener Spielsituationen eingesetzt werden kann.

Im letzten Vortrag des Tages mit dem Titel „The five ages of goalkeeping“ gab Hans Leitert, der für den FC Liverpool und die UEFA arbeitet, einen interessanten Überblick über die Entwicklung des Torwartspiels im Laufe der Jahrzehnte. Dazu teilte er das Torwartspiel in verschiedene Entwicklungsphasen ein: das Zeitalter der Gründung (Mitte 19. Jh), Zeitalter des Übergangs (ab 1924), Zeitalter der Legenden (ca. 1970 -1990), Zeitalter der Globalisierung (90er-Jahre bis 2004) und in das Zeitalter des Lärms, womit unsere heutige Zeit umschrieben ist. Er zeigte auf, wie sich im Laufe der Zeit die Ausrüstung, die Regeln, die Größe, die Trainingslehre und die Anforderungen an die Torhüter verändert haben. Intensiv ging er in seinem Schlussteil auf die veränderten Erwartungen und Verhaltensweisen der Gesellschaft und der Medienlandschaft ein und beleuchtete die Rolle der Trainer in diesem System. Ihre Rolle umschrieb er mit der Bezeichnung „Erwartungsmanager“. In Richtung der Trainer warnte er davor, Trends einfach zu kopieren und plädierte für „Versuch und Irrtum“ als normalen Weg der Entwicklung, sowohl bei Trainern als auch bei Torhütern.

In der abschließenden Fragerunde zum Thema, wo das Torwartspiel in zehn Jahren stehen wird, kamen neben den bereits angesprochenen Referenten noch David Thiel (Bayer Leverkusen) und Thomas Schlieck (Borussia Dortmund) als weitere Ansprechpartner hinzu. Neben Fragen des Moderators beantwortete die Expertengruppe auch Fragen der Zuhörer. Mögliche Regeländerungen, noch offensivere Positionierung des Torhüters, die Größe des Torhüters waren unter anderem Aspekte der Fragerunde.

Eines bleibt bei der Bewertung des Tages festzuhalten: Mehr an Fachkompetenz, Qualität und Information für interessierte Torwarttrainer lässt sich wohl schwerlich noch einmal aufbieten, als es die Firma MGT-Sports am vergangenen Wochenende in Bregenz geschafft hat.

Veranstaltung

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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