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Wer vor einigen Monaten Zweifel hatte, ob Manuel Neuer nach seiner schweren Verletzung und wegen seines fortgeschrittenen Torwartalters jemals wieder das Niveau früherer Jahre erreichen würde, sah sich im Champions-League-Finale gegen Paris St. Germain eines besseren belehrt. Der 34-jährige deutsche Nationaltorhüter leistete Unglaubliches und trug mit seinen Paraden entscheidend dazu bei, dass Bayern München nach sieben Jahren den Champions-League-Pott wieder in die bayrische Landeshauptstadt holte. Die Fachwelt war voller Anerkennung über die Leistung des Bayern-Kapitäns. Das vielleicht größte Lob sprach der gegnerische Trainer dem Weltmeister von 2014 aus. „Es ist ein bisschen Wettbewerbsverzerrung“, schmunzelte Thomas Tuchel angesprochen auf die Leistung seines Landsmanns. „Er hat das Torwartspiel auf ein anderes Niveau gehoben und zum falschen Moment für uns war er wie schon seit Monaten in absoluter Topform.“

Besonders in der 18. und 70. Minute zeigte Neuer Glanztaten, die seine außergewöhnliche Klasse unter Beweis stellten und entscheidend zum Sieg der Bayern beitrugen:

  • 18. Minute: Seine vielleicht größte Tat in dieser Partie war gleich die erste. Neymar kommt nach einem feinen Anspiel von Mbappe links im Strafraum ziemlich frei zum Schuss. Neuer macht sich ganz groß und hält den strammen Abschluss des Brasilianers halb mit dem Bein, halb mit dem Gesäß. Neymar setzt nach und will den Ball in die Mitte passen, doch auch bei diesem Versuch ist Neuer dazwischen.
  • 67. Minute: Nach einer Flanke von Di Maria in den Strafraum springt dort Mbappe über den Ball. Neuer lässt sich nicht verunsichern von dieser Finte. Er bleibt ruhig stehen und fängt den Ball im Fünfer.
  • 70. Minute: Neuer verhindert abermals mit dem Fuß bärenstark den möglichen Ausgleich durch Marquinhos, der von Di Maria exzellent durch Alabas Beine im Strafraum angespielt wird und vom rechten Fünfer-Eck im Fallen abschließt. Doch Neuer ist zur Stelle und wehrt den Ball mit dem Fuß ab.

Aber nicht nur in der Torverteidigung, sondern auch als Anspielstation zur Sicherung des Balles in den eigenen Reihen und zur Spieleröffnung (Passquote 77 %) wurde Neuer häufig von seinen Mitspielern gesucht. 50 Ballkontakte verdeutlichen, wie stark der Keeper ins Passspiel seiner Mannschaft eingebunden war. Mit überlegten Seitenverlagerungen oder Flugbällen auf die Außenspieler befreite er geschickt sein Team vom Pressing der PSG-Angreifer.

Kahn und Schmeichel voll des Lobes

Auch zwei Torhüter-Legenden reagierten mit viel Lob auf den Glanztag des 34-Jährigen. „Manuel hat zwei ganz wichtige Bälle gehalten. Das ist etwas, was ein Torhüter bei Bayern können muss. Er wird ja nicht permanent beschäftigt, aber eben in diesen kleinen Momenten, wo Paris das Tor hätte machen können, war er da, und das macht einen großen Torhüter aus. Wenn man schaut, was er alles gewonnen hat, kann man sagen, dass er einer der ganz, ganz Großen ist", sagte Bayern Münchens Vorstand Oliver Kahn gegenüber Sky. Auch der ehemalige dänische Welttorhüter Peter Schmeichel, der 292 Ligaspiele für Manchester United und 129 Länderspiele für Dänemark absolvierte, strich die Bedeutung Neuers für den Gewinn des Champions-League-Pokals heraus. „Mit jedem Torwart, der nicht so spielt, hätte Bayern dieses Turnier nicht gewonnen", sagte der 56-Jährige in seiner Funktion als Experte des US-TV-Senders CBS, und fuhr fort: „Neuer heute, er war einfach unglaublich." Neuer gebe der Mannschaft mit seinem Passspiel zudem eine große Sicherheit und Selbstvertrauen.

Die Wachablösung im Tor der deutschen Nationalmannschaft dürfte jedenfalls noch ein bisschen dauern, zumal Neuer im direkten Duell mit seinem Kontrahenten Marc-Andre ter Stegen im Spiel gegen den FC Barcelona eindeutig als Sieger vom Platz ging. Neuer scheint vielmehr auf einem zweiten Höhepunkt seiner Karriere angekommen zu sein. Mit seinen Leistungen in der Champions League hat er gezeigt, dass er wieder ganz der alte ist und auch zukünftig nur schwer als Nummer eins zu verdrängen sein wird.

Blickpunkt1. BundesligaManuel NeuerFC Bayern München

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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