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Die Partie zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem SC Freiburg (1:1) beginnt kurios: Gerade einmal zwei Minuten sind gespielt, als Freiburgs Torhüter Mark Flekken einen Bodenabschlag machen will und dabei auf dem nassen Boden wegrutscht. Weil er im Fallen den Ball mehr mit dem linken Knie als mit dem rechten Fuß trifft, rollt der Ball ungefähr drei Meter nach vorne. Leverkusens Angreifer Karim Bellarabi, der an der Strafraumlinie postiert ist, wittert die Gelegenheit und spurtet los. Freiburgs Keeper rappelt sich aber schnell auf und ist früher am Ball als Ballarabi. Zur Sicherheit spielt er den Ball über die Torlinie ins Aus in der Annahme, statt einem Gegentor nur einen Eckball zu verursachen. Schiedsrichter Deniz Aytekin entscheidet zur Überraschung Flekkens und vieler Zuschauer jedoch auf indirekten Freistoß, und das in einer gefährlichen Entfernung von nur ca. 8 m vor dem Tor. Warum eigentlich?

Ein Blick ins Regelheft

Ein Blick ins Regelheft erklärt die Entscheidung. In der Regel 16, die sich dem Abstoß widmet, heißt es: "Wenn der ausführende Spieler den Ball, nachdem dieser wieder im Spiel ist, erneut berührt, bevor ein anderer Spieler ihn berührt hat, wird ein indirekter Freistoß verhängt." Der Freistoß wurde von der Stelle ausgeführt, wo Mark Flekken den Ball ein zweites Mal gespielt hatte.

Man merke also: Eine Doppelberührung führt zu einem indirekten Freistoß! Noch eine Sonderregelung fand in dieser Situation Anwendung: Wenn der Ort der Ausführung weniger als 9,15 Meter von jenem Tor entfernt ist, auf das der Freistoß ausgeführt wird, dann dürfen die Abwehrspieler sich auf die Torlinie stellen. Genau das taten die Freiburger Spieler. Mark Flekkens linke Torhälfte war mit neuen Freiburger Spieler abgedeckt, die andere bewachten zwei Feldspieler und der Freiburger Keeper. Als einziger Freiburger Spieler war Nicolas Höfler ca. 3 m vor dem Tor auf Höhe des rechten Torpfostens postiert. Als der Ball von Leverkusens Nadiem Amiri zum Schützen Kerem Demirbay vorgelegt wurde, spurtete Höfler in höchstem Tempo parallel zur Torraumlinie und konnte den Ball, der gefährlich in der oberen Torhälfte gelandet wäre, mit der Brust an die Torlatte ablenken. Den Nachschuss setzte Bellarabi am Tor vorbei.

Die Zeitlupe offenbart anderes

Betrachtet man allerdings diese Aktion in der Zeitlupe, hätte der Freistoß nicht gegeben werden dürfen. Denn in den Regeln steht auch, dass der Ball beim Abstoß erst im Spiel ist, "wenn er mit dem Fuß gespielt wurde und sich eindeutig bewegt" hat. Flekken hatte den Ball jedoch nicht wie geplant mit seinem rechten Fuß getroffen, sondern im Wegrutschen mit seinem linken Knie oder Schienbein. Aber so viel Blickschärfe kann man von Schiedsrichter Aytekin nun wirklich nicht erwarten.

Flekken hatte Glück, dass die Situation für ihn glimpflich ausging. Nach dem Spiel atmete es jedenfalls erleichtert auf: "Zum Glück ging es gut für uns aus", sagte er. "Ich wusste selbst nicht, dass es Freistoß gibt, weil es mir noch nie passiert ist", räumte der Keeper ein.

Blickpunkt

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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