Login

GoalGuardGoalGuard Steady Status

Jetzt Videolisten erstellen

Der besondere Reiz des DFB-Pokals besteht seit jeher darin, dass ein vermeintlich chancenloser Außenseiter einen außergewöhnlichen Moment erlebt, in dem er - ähnlich wie beim Duell David gegen Goliath - einen fast aussichtslosen Wettkampf zu seinen Gunsten entscheidet. Das sind Momente, in denen sich ganze Mannschaften oder einzelne Spieler - meist Torschützen oder Torhüter - in der Erinnerung der Fußballbegeisterten unsterblich machen können.

Genau einen solchen Moment erlebten die Fußballfans gestern Abend in Völklingen, als der Regionalliga Südwest-Tabellenführer 1. FC Saarbrücken im Viertelfinale den Bundesligisten Fortuna Düsseldorf mit 7:6 im Elfmeterschießen aus dem Pokal warf und als erster Viertligist ins Halbfinale des DFB-Pokals einzog. „Irgendjemand da oben hat es heute ganz gut mit uns gemeint“, vermutete Saarbrückens Cheftrainer Lukas Kwasniok nach dem Spiel gegenüber dem Sender Sky den Grund des Sieges in himmlischer Unterstützung.

Aber die Saarländer brauchten an diesem Abend gar keinen Beistand von oben, sie hatten einen großartigen Torhüter zwischen ihren Pfosten, der den Gegner mit seinen Paraden fast zur Verzweiflung trieb. Sein Name: Daniel Batz. Der 29-jährige Saarbrücker Schlussmann hielt, was zu halten war, und avancierte im abschließenden dramatischen Elfmeterschießen mit 20 Schützen zum Helden des Abends. Manche Torhüter blieben über Jahrzehnte unvergessen, wenn sie in einem entscheidenden Spiel einen oder zwei Elfmeter gehalten hatten. Damit begnügte sich Batz nicht. Er brachte etwas zustande, was vor ihm noch kein Torhüter erreicht hatte. Er wehrte gleich fünf Elfmeter in einem Spiel ab.

Schon während der regulären Spielzeit hielt Batz seine Mannschaft gegen den optisch überlegenen Bundesligisten mit mehreren Paraden im Spiel. Einige Beispiele gefällig? Bereits in der Anfangsphase können Rouwen Hennings (9. min) als auch kurz darauf Jean Zimmer (10. min) den Saarbrücker Schlussmann nicht überwinden (10.). In der 38. Minute klärt Batz mit einer Flugparade einen Schuss Oforis aus 25 m. Zu Beginn des zweiten Durchgangs scheitert Ofori erneut an Batz (52.). In der Folgezeit wird der Druck der Düsseldorfer immer größer, der Ausgleich liegt förmlich in der Luft. Kurz vor Spielende, genau in der 82. Minute, scheint sich das Spiel nach der Saarbrücker 1:0-Führung in der 33. Minute doch noch zu Gunsten der Düsseldorfer zu drehen. Kenan Karaman wird im Strafraum gefoult. Den fälligen Strafstoß von Hennings pariert Batz aber, er lenkt den Ball gegen den Pfosten. Als sich der Zeiger schon in Richtung Spielende bewegt und sich die Saarbrücker bereits im Halbfinale wähnen, passiert das Unglaubliche. Nach einer Ecke in der letzten Spielminute verlängert Düsseldorfs Torwart Kastenmeier die Flanke von links auf den zweiten Pfosten, wo Zanka steht, die Kugel wuchtig einköpft und zum späten Ausgleich trifft.

Die Folge ist eine Spielverlängerung um 2 x 15 Minuten. Doch entgegen aller Erwartungen kann Düsseldorf auch in der Verlängerung das Spiel nicht für sich entscheiden. Nach 120 Minuten steht es weiterhin 1:1. Ein Elfmeterschießen muss die Entscheidung herbeiführen. Nun schlägt endgültig die Stunde von Daniel Batz. Am Ende hat er von zehn Strafstößen vier gehalten und steigt zum viel umjubelten Helden auf. Nach dem Spiel kann er kaum glauben, was er mit seiner Mannschaft erreicht hat: „Es ist absolut surreal. Wenn mein Finger nicht so weh tun würde, würde ich sagen, wir leben in einer Traumwelt.“

Die Sensation ist perfekt. Mit dem 1. FC Saarbrücken steht erstmals ein Viertligaklub im seit 1935 ausgetragenen DFB-Pokal. Und der Erfolg hat einen Namen: Daniel Batz! Es ist einer der Momente, in denen ein Torhüter auf den Olymp der Heldenverehrung aufsteigt. Es ist einer der Tage, an denen ein Torhüter fast den Nimbus des Unbesiegbaren erreicht. Und es ist einer der Momente, wo man sich fragt, warum der Name Daniel Batz in den vergangenen Jahren nicht in höheren Spielklassen als der Regionalliga aufgetaucht ist.

Blickpunkt

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

Ähnliche Inhalte