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Seit 17 Jahren ist Daniel Endres nun Profitorhüter. 15 Jahre davon stand er bei seinem Heimatverein und Herzensklub Kickers Offenbach unter Vertrag, mit dem er viele Höhen und Tiefen durchlebte: Lange Jahre als Ersatztorhüter, kurzzeitig die Nummer eins, dann 2010 ein Jahr vereinslos, nachdem sein Vertrag nicht verlängert worden war, 2011 die Rückkehr zum OFC, 2013 Zwangsabstieg der Offenbacher in die Regionalliga Südwest, in der Saison 2014/15 Meister der Regionalliga Südwest, allerdings in der Aufstiegsrunde zur 3. Liga am 1. FC Magdeburg gescheitert, viele Jahre der Leistungsträger und Mannschaftskapitän des OFC. 15 Zweitligaeinsätze und neun Drittligapartien stehen in seiner sportlichen Vita für die Kickers aus Offenbach. Nachdem zum Ende der Saison 2018/19 sein Vertrag nicht mehr verlängert wurde, wechselte er für ein Jahr zum damaligen Regionalliga-Aufsteiger FC Bayern Alzenau. Seit dieser Saison steht er bei einem anderen Traditionsverein, dem FSV Frankfurt, unter Vertrag.

Goalguard sprach mit Daniel über seine sportliche Vergangenheit bei den Offenbacher Kickers, über seine aktuelle Situation und seine Ziele in Frankfurt sowie seine Pläne nach der Profikarriere.

Artur Stopper Daniel, „35 Jahre und noch kein bisschen müde“. Fühlst du dich mit diesem Satz als Torhüter richtig charakterisiert?

Daniel Enders (schmunzelt) Leider stimmt diese Aussage so nicht ganz. Ich merke mein Alter schon den ein oder anderen Tag. Aber ich liebe den Fußball nach wie vor so sehr, dass ich diese Belastungen gerne auf mich nehme und jeden Tag noch mit Freude zum Training komme. Wir haben ein tolles Arbeitsklima in unserer Mannschaft, und mit meinem Torwarttrainer Marcel Richter macht es sehr viel Spaß, weil er sehr akribisch arbeitet und jeden Tag versucht, uns weiter zu verbessern. Ich merke, dass ich auch noch mit 35 Jahren auf ein höheres Niveau komme.

Artur Stopper Mit deinem aktuellen Verein FSV Frankfurt führt ihr momentan die Tabelle der Regionalliga Südwest an. Ist der FSV schon stark genug, wieder an alte, sportlich erfolgreichere Zeiten anzuknüpfen?

Daniel Enders Das ist natürlich der große Wunsch von uns allen. Wenn man endlich da oben angekommen ist, möchte man dort auch gerne bleiben. Wir wissen aber alle, dass das bisher ein hartes Stück Arbeit war und auch weiterhin werden wird. Ich glaube aber, dass eine Tabelle nie lügt. Wer am 16. Spieltag ganz oben steht, hat diesen Platz auch verdient. Das hat nicht nur mit Glück zu tun, sondern ist vor allem Ausdruck unserer Arbeitsweise. Das haben wir als Team und mit allen Verantwortlichen um uns herum bisher überragend gemacht. Wir sind auf einem guten Weg, der noch nicht zu Ende ist. Es ist schwer zu sagen, was am letzten Spieltag sein wird. Aktuell genießen wir unsere Situation und wollen unsere Spiele weiterhin möglichst erfolgreich gestalten.

Artur Stopper Der Name Daniel Endres steht für absolute Vereinsverbundenheit. 24 Jahre lang hattest du deinem Ausbildungsverein Offenbacher Kickers die Treue gehalten, obwohl viele Jahre nur als Kronprinz gehandelt wurdest und zu wenigen Einsätzen kamst. Bestimmt gab es in dieser Zeit auch Angebote von anderen Vereinen. Hattest du nie die Lust verspürt, mal woanders zu spielen?

Daniel Enders Diese Frage habe ich schon oft beantworten müssen. Als Offenbacher Junge war es immer mein Ziel, auf dem Bieberer Berg zu spielen und dort Stammtorwart zu werden. Wie du bereits sagtest, war ich in jungen Jahren sehr lange die Nummer zwei, in der zweiten Bundesliga unter dem damaligen Cheftrainer Wolfgang Frank aber auch kurzzeitig die Nummer eins. Wenn man dann speziell als Torwart wieder ins zweite Glied zurückgestuft wird, ist es schwierig, wieder die Nummer eins zu werden, ohne dass sich der Stammtorhüter verletzt oder Leistungseinbrüche hat. Trotzdem wollte ich weiter auf den Tag X hinarbeiten und deshalb den Verein nicht wirklich verlassen, weil ich schon sehr mit der Stadt und dem Verein verbunden bin. Mein Leben lang kannte ich nur diesen Klub, der für mich mein Zuhause und meine große Liebe war. Deshalb kam ein Vereinswechsel für mich nicht in Frage, obwohl in all den Jahren fünf oder sechs sehr gute Anfragen hatte. Selbst nach dem verpassten Aufstieg aus der Regionalliga hatte ich die Möglichkeit, in die zweite Bundesliga zu wechseln. Da ich trotzdem noch den großen Wurf - sprich Aufstieg - mit dem OFC in die dritte Liga und eventuell noch in die zweite Bundesliga schaffen wollte, kam ein Wechsel für mich nicht in Frage.

Artur Stopper In deiner Vita stehen in dieser Zeitspanne 15 Zweitligaeinsätze und neun Drittligapartien. Warum sind es insgesamt nicht mehr Einsätze geworden?

Daniel Enders Da haben viele Faktoren eine Rolle gespielt. Zu den 15 Zweitligaeinsätzen wären bestimmt noch einige hinzugekommen, wenn unserer damaliger Cheftrainer Wolfgang Frank nicht zurückgetreten wäre. Er hatte zu Beginn der Saison bestimmt, dass ich die Nummer eins bin. Möglicherweise hätte ich mir bei weiteren Spielen das Selbstvertrauen geholt, um mich dauerhaft als Nummer eins in der zweiten Bundesliga zu etablieren. Der anschließend als Interimscoach eingesetzte Trainer setzte mich aber wieder auf die Bank, weil er der Meinung war, dass der OFC einen älteren und erfahreneren Torhüter bräuchte. Nach dem Abstieg in die dritte Liga bin ich dann beim OFC unter der Voraussetzung geblieben, dass ich die Nummer eins werde. Dieses Versprechen wurde leider nicht eingehalten, obwohl mir versichert wurde, dass ich die bessere Vorbereitung gespielt hatte. Als Nummer zwei musste ich aber anerkennen, dass Robert Wulnikowski in den folgenden Jahren überragende Leistungen abgeliefert hat. Trotzdem lebt man als Ersatztorhüter immer von der Hoffnung, mal wieder eine Chance zu erhalten. Im Verein war es unbestritten, dass ich das Potenzial zum Stammtorhüter hatte. Ich sollte einfach weiter geduldig warten. Dann kam, vielleicht zum Glück für mich, der Abstieg in die Regionalliga Südwest. Fortan konnte ich beweisen, was in mir steckt, und war dann über viele Jahre die Nummer eins und Kapitän beim OFC, was mich sehr stolz gemacht hat. In der Saison 2014/15 wurden wir Meister, scheiterten jedoch in der Aufstiegsrunde zur 3. Liga am 1. FC Magdeburg. Diese Enttäuschung war damals sehr schmerzhaft und tut mir bis heute in der Seele weh. Und es berührt mich nach wie vor, nicht mehr Teil meines Herzensklubs zu sein. Zum größten Teil habe ich die Vergangenheit aber inzwischen abgehakt und schriebe hoffentlich mit dem FSV Frankfurt ein weiteres schönes Kapitel.

Artur Stopper Viele Jahre Profisport hinterlassen oft körperliche Spuren. Wie ist das bei dir?

Daniel Enders (lacht) Ich würde jetzt lügen, wenn ich sagen würde, dass ich aus dem Bett springe, sobald der Wecker klingelt. Ich habe überall meine kleinen Wehwehchen, mal mehr, mal weniger. Aber diese kleinen Schmerzen kann ich gut durch entsprechendes Training kompensieren. Ich mache viel für mich, bin häufig im Kraftraum und dehne mich, entweder zu Hause oder im Stadion. Ich achte auf eine gute Regeneration und nutze dazu alles, was mir zur Verfügung steht. Deswegen bin ich überzeugt, dass ich noch ein paar Jährchen auf diesem Niveau spielen kann, denn es gibt für mich nichts Schöneres als Fußball zu spielen.

Artur Stopper Trainierst du heute anders als in jungen Jahren?

Daniel Enders Ich trainiere heute nicht anders, sondern gezielter. Früher habe ich in allem immer bis zum Anschlag trainiert. Heute weiß ich genau, was ich brauche, und mache das gezielt. Sowohl im Vorjahr bei Bayern Alzenau als auch jetzt in Frankfurt habe ich noch keine Trainingseinheit verpasst und alle Einheiten voll durchgezogen. Aber die Wiederholungszahlen z.B. bei Sprüngen habe ich etwas reduziert.

Artur Stopper Wenn man dich im Spiel beobachtet, versprühst du noch dasselbe Feuer wie in jungen Jahren. Wie gelingt es dir, die Motivation über so viel Jahre hoch zu halten?

Daniel Enders Zum einen bin ich ein absoluter Wettkampftyp. Ich hasse es zu verlieren, ob im Trainingsspiel, beim Torschuss oder im Punktspiel. Zum anderen liebe ich diesen Sport und möchte immer das Maximum erreichen. Diese Einstellung versuche ich auch auf dem Platz zu vermitteln.

Artur Stopper Seit 2004 bist du nun Profi. Hat sich in der Denkweise zwischen dem jungen und dem inzwischen 35-jährigen Daniel Endres in Sachen Profifußball etwas verändert?

Daniel Enders Auf jeden Fall. Von ca. 15 bis 28 Jahren gab es für mich nur Fußball. Ich hatte nicht im Blick, was es außer dem Fußball oder auch danach noch im Leben gibt. Mein voller Fokus war auf den Fußball gerichtet. Ich dachte immer, ohne Fußball könnte ich nicht leben. Diese Denkweise hat sich mit zunehmendem Alter verändert. Fußball steht für mich noch immer an erster Stelle, und nach wie vor möchte ich das Bestmögliche aus mir herausholen, um erfolgreich zu sein. Aber ich weiß heute, dass ich mich, wenn ich nach dem Training oder Spiel nach Hause komme, noch auf andere Dinge fokussieren und andere Sachen in Angriff nehmen kann, die ich in jungen Jahren so noch gar nicht gesehen hatte.

Artur Stopper Mit 35 Jahren bist du meist einige Jahre älter als viele deiner Mannschaftskameraden. Gibt es Eigenarten, Denkweisen oder Verhaltensformen deiner jungen Mitspieler, mit denen du dich im fortgeschrittenen Sportleralter nur schlecht anfreunden kannst?

Daniel Enders Ich muss zugeben, dass es mir ab und zu schon schwerfällt, die jungen Mitspieler zu verstehen. Ich bin einfach ein paar Jahre älter als viele meiner Mitspieler, die überwiegend zwischen 18 und 24 Jahre alt sind. Wahrscheinlich war ich in ihrem Alter genauso, habe mir wie junge Menschen heutzutage in jungen Jahren auch wenig Gedanken gemacht und in den Tag hineingelebt. Junge Leute haben heute auch andere Hobbies, als ich sie hatte. Heute scheint es normaler Alltag zu sein, dass man in eine Shisha Bar geht und Shisha raucht. Damit kann ich null anfangen, das ist nicht meine Welt. Ich kann aber nachvollziehen, dass man als junger Mensch andere Gedankengänge hat als ein älterer, der sich in einem ganz anderen Lebensabschnitt befindet.

Artur Stopper Mit 35 Jahren ist das Ende deiner sportlichen Karriere absehbar. Wie lange willst du noch spielen und wie sieht deiner Zukunft nach dem Profifußball aus?

Daniel Enders Bereits seit drei Jahren habe ich mir eine eigene Firma aufgebaut, bin also selbständig. Ich leite eine Firma mit Automaten, Kaffee-, Getränke- und Snackautomaten sowie Wasserspendern, die ich größtenteils in Speditionsfirmen aufgestellt habe und die ich betreue. Aber natürlich möchte ich auch gerne weiterhin im Fußballgeschäft bleiben. Ich bin gerade dabei, meine Trainerscheine zu absolvieren, auch wenn das in Corona-Zeiten nicht gerade einfach ist. In diesem Bereich möchte ich mich möglichst breit gefächert aufstellen. Ich könnte mir schon vorstellen, irgendwo Cheftrainer zu werden, weil mir das Ausbilden junger Menschen viel Spaß macht. Aber ich könnte mir auch sehr gut eine Aufgabe als Torwarttrainer vorstellen.

Artur Stopper Daniel, wir wünschen dir noch einige schöne und erfolgreiche Tage in deiner Fußballkarriere und eine gute Zukunft nach dieser Zeit. Wir bedanken uns sehr herzlich bei dir, dass du dir Zeit für uns genommen hast.

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Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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