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Man stelle sich folgende Situation vor. Ein junger Mensch bewirbt sich in einer Firma als Einzelhandelskaufmann und wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Neben ihm bewerben sich weitere Kandidaten um eine Ausbildungsstelle. Mit hängenden Schultern, unsicherem Blick und einem leisem „Guten Tag“ betritt er den Raum. Möglicherweise ist bereits schon in diesem Moment die Entscheidung des Personalchefs gefallen, der erste Eindruck zählt und ist schnell gebildet. Denn die Körpersprache ist ein untrüglicher Hinweis darauf, wie wir als Mensch sind: selbstbewusst, unsicher, ängstlich oder offen. Unser Körper kommuniziert nämlich unbewusst in Gestik und Mimik, wie wir uns fühlen, was wir denken und wer wir sind. Er sendet nonverbale Signale an die Mitmenschen, manchmal mehr als Worte.

Körpersprache hat Einfluss auf Gegner, Mitspieler und sich selbst

Nicht nur im Privat- und Berufsleben, sondern besonders im Sport ist eine selbstbewusste Körpersprache ein wichtiger Erfolgsfaktor. Gegnerische Spieler erkennen schnell, ob ein Torhüter Sicherheit ausstrahlt oder „Nerven zeigt“, von Selbstzweifeln und Versagensängsten geplagt ist. Noch schlimmer: Der Gegner versucht, diese Unsicherheit für sich zu nutzen und den Torhüter selbstbewusst im Zweikampf oder in Drucksituationen angehen. Während die Körpersprache des Torhüters schwächer wird, nimmt sie im gleichen Maße beim Gegner zu.

Wie stark diese Wechselwirkung sein kann, haben Wissenschaftler an Torhütern bei der Elfmetersituation untersucht. Traten die Schützen dominant auf, sank die Erfolgserwartung beim Torhüter deutlich. Durch die gegnerische Einschüchterung konnte der Torhüter sein Leistungsvermögen nicht abrufen. Die bei ihm niedrige Erfolgserwartung erfüllte sich auch! Während eine ehrliche Körpersprache im Alltag sinnvoll ist, kann sie im Wettkampf schnell zum Nachteil werden, wie das Beispiel zeigt.

Noch ein weiterer Nachteil kommt hinzu. Nicht nur der Gegner nimmt die körperlichen Signale des Torhüters wahr, sondern auch die Mitspieler. d.h. eine unsichere Ausstrahlung des Keepers überträgt sich auf die Mitspieler. Sein hängender Kopf kann den Rest der Mannschaft anstecken. "Ich muss meinen Mitspielern gegenüber Selbstbewusstsein ausstrahlen und Ruhe, damit sie wissen, dass sie mich im Spiel immer mitnehmen und auf mich zählen können", sagte Manuel Neuer bereits 2011 in einem Interview mit dem "kicker".

In Wettkampfsituationen muss der Körper lügen

Grundsätzlich gilt: Kein Mensch ist immer sicher und selbstbewusst! Da ein Sportler aber Selbstzweifel in Wettkampfsituationen unterdrücken muss, muss er „körperlich lügen“, wie das Bergmann / Dr. Reinhardt in ihrem Buch „Yes you can!“ bezeichnend formuliert haben. Gespieltes Selbstbewusstsein hat nämlich nicht nur eine Wirkung auf andere, sondern auch Einfluss auf unser Innenleben. Allein indem der Torhüter sich einbildet, sicher und stark zu sein, kommt er zur Überzeugung, er sei es tatsächlich. Eine positive Körpersprache lässt sich nach Meinung von Bergmann und Dr. Reinhardt trainieren. „Hier gilt wie überall: Übung macht den Meister“, formulieren sie das Erfolgsgeheimnis. Sie schlagen vor, mit Bildern und Codes zu arbeiten, um die eigene Körpersprache zu kontrollieren. Bilder sind für sie „eine Brücke zwischen Geist und Körper“. Um selbstbewusstes Auftreten zu entwickeln, brauche es zuerst eine klare Vorstellung davon, wie die Körperhaltung dazu aussehen muss, also ein klares „Bild“. Dieses Bild soll mit einem Codewort versehen sein. Als mögliche Codewörter nennen sie „Maschine“, „Power“ oder „Vollgas“. Durch regelmäßiges Üben automatisiert sich diese Handlung. Durch sogenannte „Trigger“ (Auslöser des Vorgangs) können diese Bilder jederzeit im Wettkampf abgerufen werden. Die eigene innere Aufforderung „Mach dich gerade, Maschine“ bewirkt wie selbstverständlich, dass der Torhüter bewusst eine aufrechte Körperhaltung einnimmt und dadurch seine Ausstrahlung im Spiel verbessert.

Eine recht junge Forschungsdisziplin, die sich mit den Zusammenhängen zwischen Körper und Geist auseinandersetzt, ist Embodiment. Die Sportpsychologie nutzt deren Erkenntnisse, um die Gefühle und Gedanken, die sich in der Körperhaltung niederschlagen, im Wettkampf für den Sportler gewinnbringend mit psychologischen Techniken zu beeinflussen, gemäß dem Motto „Wie ich mich fühle, so trete ich auch auf“.

Eine selbstbewusste Körperhaltung ist ein wichtiger Erfolgsfaktor, im Alltag wie im Sport. Sie lässt sich trainieren. Nach ausreichender Trainingszeit schafft es jedermann, wie auf Knopfdruck den Körper in den gewünschten Zustand zu versetzen, sobald der entsprechende Trigger ausgelöst wird. Das kann im Wettkampf speziell für einen Torhüter ein entscheidender Vorteil sein.

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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